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kieler kerl

KIELER KERL

Jens Rönnau im marlowski-Interview

»Unsere Stadt hat eine tolle Lage mit besten Möglichkeiten, die aus meiner Sicht noch lange nicht ausgeschöpft sind.«

Jens Rönnau ist Kunsthistoriker und Kulturjournalist und bringt seit Jahrzehnten den Kielern die schönen Künste näher. Seit 1995 und der Gründung des Vereins »Mahnmal Kilian« widmet er sich vermehrt der Kieler Geschichte und dabei vor allem seinem Herzensprojekt: dem Flandernbunker. Dort hat marlowski ihn besucht.

Moin, Jens! Ich gebe offen und ehrlich zu, ich bin das erste Mal hier im Flandernbunker. Das ist keine Schande – wir freuen uns über jeden, der sich an diese Thematik wagt. Wenn Du magst, führe ich Dich eine Runde hier herum. Ja klar, sehr gerne. Aber fangen wir erst mal mit dem Interview an. Bist Du hier in Kiel geboren? Genau gesagt, bin ich am Kleinen Kiel geboren. Da gab es früher nämlich Geburtskliniken. Mein Opa wollte nicht, dass meine Mutter im Städtischen Krankenhaus entbindet und hat ihr dafür die Kramer-Privatklinik bezahlt. So hatte Klein Rönnau die Ehre, direkt im Herzen der Stadt zur Welt zu kommen. Dann bist Du auch hier in Kiel aufgewachsen? Nur die ersten beiden Jahre – am Westring. Dann sind meine Eltern, weil immer mehr Geschwister dazukamen, quasi mit jedem Kind einen Ort die Schwentine weiter hochgezogen: nach Klausdorf, Raisdorf und schließlich Preetz, wo ich auch meine Gymnasialzeit absolviert habe. Wie viele Geschwister hast Du denn? Ich habe noch vier jüngere Brüder.

Wie verlief Deine Jugend denn in Preetz? Was gab es für Hobbys oder Leidenschaften, die du entwickelt hast? Ich war mit Freunden immer gern in Wäldern und an der Schwentine unterwegs. Dann hab ich so was Abstruses wie Faustball gespielt und war schulbester 1000-Meter-Läufer, war aber schon sehr der Kunst zugetan. Aus einem seltsamen Grund wurde ich auch schulpolitisch aktiv: Ich war gewählter Tutorengruppensprecher, also so eine Art Klassensprecher, und erlebte in den Schülerversammlungen eine Verweigerungshaltung Schulpolitik zu machen – das war so eine Entwicklung aus der Endsechziger-Phase heraus. Da sagte ich mir, dass ich mein Amt auch wahrnehmen will, die Schüler zu vertreten. So wurde ich Schülersprecher und gründete mit Gleichgesinnten eine Schülerzeitung, die wir mit großer Leidenschaft betrieben haben. Erst mal zu Deiner Kunstaffinität. Wie kam es dazu? Es ist ja nicht unbedingt üblich, dass sich jemand in Kinder- und Jugendtagen bereits für Kunst interessiert. Ich hatte in meinem Leben drei Mentoren für die Kunst.

Die da waren? Die erste war meine Oma. Sie hat mit mir als kleinem Jungen immer Kunstkarten angeguckt und gesammelt – etwa Rembrandt und Dürer. Wir haben damit ein Album zusammengestellt und sie hat mir die Erklärungen für die Bilder gegeben. Als ich mit 13, 14 mitten in der Pubertät ankam, interessierte mich das erst mal nicht mehr. Da hab ich ihr die Karten zurück gegeben. (lacht) War Deine Oma denn Künstlerin? Nein, sie war aber sehr interessiert. Als ich mich in meiner späteren Schulzeit zum Kunst-Leistungskurs entschloss, fragte ich, ob sie das Album noch habe und ich es wiederbekommen könne. (lacht) Mein zweiter Mentor war dann mein Kunstlehrer – Reinhard Fricke. Der musste damals die Schule wechseln, weil er am Kieler Barlach-Gymnasium etwas mit einer Schülerin angefangen hatte. Er kam zu meinem großen Glück nach Preetz, denn er war ein guter Künstler und hat auch gesehen, wo jemand zu fördern ist. Ich konnte mich toll entfalten, Ideen entwickeln, habe sogar eine Ausstellung dort machen können, die hochmodern war. 19

marlowski März 2017  

Die 68. Ausgabe des besten Stadtmagazins von Welt.

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