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Der Mensch lernt seit jeher Muster und aus Mustern. Er nutzt sie oft und vielfältig.

Venloer Str. 241-245

Zum Beispiel Handlungsmuster wie Gang einlegen, dann Gas geben, Schwingungsmuster wie Radio- oder Ozeanwellen, musterhaftes Auftreten von Naturphänomenen, Identifikationsmuster, Klangmuster, Ordnungs-

Totale

muster, Kachelmuster etc.

Untersicht

Fotos: Stefan Ditner, Text: Matthias Knopp

Muster entstehen, indem man verschiedene Vorkommen ähnlicher Objekte gruppiert (zum Beispiel geflieste Häuser). In Anlehnung an die legendäre Architekturstudie „Learning from Las Vegas“ von Venturi/Brown (1972) geschieht dies hier mit den in Ehrenfeld prominent und zahlreich vertretenen Fliesenfassaden der Nachkriegszeit – prägen diese doch noch immer das (Ehrenfelder) Stadtbild; versprenkelt, aber ungemein. Ziel des Schemas ist eine nicht-repräsentative Bestandsaufnahme des Ist-Zustands und die damit geschaffene Möglichkeit zu vergleichen als auch Muster zu erkennen. Die abgebildeten Fliesenfassaden prägen in ihrer Geschlossenporigkeit die Vorderfronten vieler Ehrenfelder Gebäude. Nach dem Krieg mag für ihren Einsatz die Strapazierfähigkeit, Langlebigkeit und Abwaschbarkeit gesprochen haben. Eventuell war es en vogue, das Eigenheim oder Mietobjekt zu fliesen. Es ist diese Vorderfront, die immer zuerst von der Mitwelt erfasst wird; dementsprechend wird sie mit den Insignien der Bewohner geschmückt. Ihr wird wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als der Hinterfront (in Köln häufig einfach nur verputzt). Die Fliesenfassade betont den Unterschied zwischen Außen und Innen; sie entspricht darin häufig nicht dem dahinterliegenden Raum – womit ihr [der Fassade]  ein Hauch von Betrug schon immer in die Wiege gelegt ist. Schwitzt das Haus hinter den Fliesen?

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Detail

Fenster

Spezial

Stammstr. 27

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ef#1 – Die erste Ausgabe

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