SEKEM Insight 10.14 DE

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Nr. 145 - November 2014

Wie alles begann

Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, in unserer Reihe “Wie alles begann” blicken wir gelegentlich zurück auf die Anfänge SEKEMs. In der Vergangenheit hat bereits Hans Werner über die Gründungszeit und seine Mitarbeit als Arzt berichtet.

40 Rinder auf der Reise

Grünes Gold

Holländischer Film zeigt SEKEM

ISIS

Web site neu gestaltet

Wie alles begann: 40 Rinder auf der Reise nach SEKEM

1981 wurde der Grundstein für die Viehwirtschaft durch die bekannte Reise von 40 Rindern von Deutschland auf die ägyptische Farm gelegt. Angela Hofmann, die die Reise damals begleitete, erinnert sich.

Fast jeder, der bereits einmal SEKEM besucht hat, kennt ebenso die Geschichte der „40 Kühe“, die in den ersten Jahren der Initiative aus Europa nach Ägypten gebracht wurde, um dort einen vollgültigen DemeterBetrieb aufzubauen. In dieser Ausgabe berichtet Angela Hofmann, die in SEKEM den Demeter-Landbau verantwortet, von der „berühmten“ Reise der 40 (trächtigen) Rinder ins heiße Ägypten – und dem enormen Engagement von Frieda Gögler, auf deren Einsatz die große Reise maßgeblich zurückgeht. Darüber hinaus berichten wir von einer holländischen Fernsehproduktion über SEKEM und einem deutschen Stadtlesebuch, das sich Kairo widmet, und mehrere Beiträge von SEKEM-Freunden enthält.

Ihr Redaktionsteam SEKEM finden sie im Internet auch auf:

Bis heute betreibt SEKEM im Zusammenhang mit der Demeter-Landwirtschaft auch Viehzucht. In diesen Tage bevölkern die Farm neben dem ursprünglichen Braunvieh allerdings auch schwarz-weiße Rinder.

A

m 12. November 2014 wäre Frieda Gögler, die SEKEM fast von Anfang an tatkräftig begleitet hat, 100 Jahre alt geworden. SEKEM Insight nimmt ihren Geburtstag zum Anlass, an ihren Einsatz für die Landwirtschaft in Ägypten zu erinnern.

Frieda Göglers Engagement für SEKEMs Demeter-Landbau begann 1981, als die Mitglieder einer kleinen Gruppe deutscher Ägyptenreisender im

Tempel von Karnak in Oberägypten bei einer zufälligen Begegnung auf SEKEM aufmerksam gemacht wurde. Schon einige Tage später erfolgte der erste Besuch auf der Farm bei Kairo. Mit dabei war die Pforzheimer Gartenbaulehrerin Frieda Gögler, die sofort den Entschluss fasste, sich für SEKEM einzusetzen. Zuerst beriet sie sich dazu mit Georg Merckens, einem landwirtschaftlichen Berater, der damals Dr. SEKEM Insight | November 2014 | Seite 1


Wirtschaft

Ibrahim Abouleish in die biodynamische Landwirtschaft eingeführt hatte. Georg Merckens hat sich über viele Jahre für die internationale Verbreitung der Demeter-Landwirtschaft nicht nur in Ägypten eingesetzt. Bodenfruchtbarkeit durch Viehzucht Um die Fruchtbarkeit des Wüstenbodens in SEKEM wiederherzustellen, war es nötig, die Produktion von hochwertigem Kompost in großem Stil in Angriff zu nehmen. Dafür wurden große Mengen Kuhmist benötigt, den es jedoch in Ägypten kaum gab. Zudem konnte weder die Milch- noch die Fleischproduktion des einheimischen Viehs überzeugen. So wurde der Ent­ schluss gefasst, Allgäuer Braunvieh zu importieren, eine robuste Rinderart, die für die Produktion sowohl von Milch als auch Fleisch geeignet ist. Braunvieh dieser Art gibt es bis heute in den europäischen Bergregionen und vielerorts im Flachland. Es ist noch nicht so überzüchtet wie andere Rassen. Frieda Gögler fand es deshalb besonders für den Einsatz beim Aufbau der Farm in der ägyptischen Wüste geeignet. 40 trächtige Rinder sollten es sein und ein Zuchtbulle. Aber woher sollte das Geld für diesen Kauf kommen? Frieda Gögler fand auch hier eine Lösung: Sie setzte sich dafür ein, dass die deutsche nachhaltig arbeitende GLS-Gemeinschaftsbank einen Kredit einräumte, der den Ankauf und Transport ermöglichte. Später wurde dieser sogar in eine Spende umgewandelt. Im Oktober 1981 besuchte ich selbst zum ersten mal für einen Monat mit Frieda Gögler die SEKEM-Farm. Dabei bereiteten wir alles für den Einzug der Allgäuer Kühe vor: Klee musste zeitig als Futtermittel angebaut werden, ein Stall musste konstruiert und eine Gruppe von Bauern angelernt werden. Sie hatten bisher nur ägyptische Kühe gefüttert und gemolken. Die größte Herausforderung war die Herstellung des Komposts. Alles musste

damals von Hand erledigt werden und wurde mit großer Hingabe vollbracht. Zurück in Deutschland reisten Frieda Gögler und ich zum Braun­ vieh­ zucht­ verband nach Biberach. Mit einem Vertreter des Verbands besuchten wir viele Bauern, die trächtige Rinder zum Verkauf anboten. Wir konnten sogar einige von Demeter-Betrieben beziehen. So stellten wir unsere Herde zusammen, die dann am 13. Februar 1982 die Reise ins ferne Ägypten antrat. Eine beschwerliche Reise Mit dem Zug wurden die Rinder bis nach Genua transportiert und dort auf ein Viehtransportschiff in Boxen verladen. In Alexandria erstmals auf ägyptischem Boden, wurden sie auf 4 Lastwagen umgeladen, die dann im Konvoi nachts durch die Wüste fuhren. Um Mitternacht erreichte der Tross aus Menschen und Tieren die Farm. Wir führten die Rinder in den liebevoll hergerichteten Stall – aber die waren so müde von der langen Reise, dass sie sich nur noch ausruhen wollten. Selbst der Stier Altan war brav wie ein Lamm, so dass ich ihn gelassen an seinen Kette legen konnte, was mir einigen Respekt von den ägyptischen Bauern einbrachte. Als sich dann die 40 Rinder im mit Stroh gedeckten Stall friedlich schnaufend niederlegten, stellte sich eine wunderbare Stimmung ein. Ich ging zum Wohn­ haus und schaute in der Nacht noch einmal zum Stall – da ging direkt über dem Stall eine Sternschnuppe nieder. Heute gibt es in SEKEM noch immer Braunvieh, nämlich die Nachkommen jener ersten 40 Rinder, außerdem jedoch schwarz-weiße Friesische Kühe und Mischlinge. Mit Dankbarkeit und Respekt denken wir an Frieda Gögler zurück, die mit ihrem Verständnis für landwirtschaftliche Zusammenhänge zielstrebig diesen wesentlichen Grund­ stein für SEKEM gelegt hat.

SEKEMs grünes Gold im holländischen Fernsehen

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or einigen Wochen strahlte der kritische holländische Fernsehsender VPRO den Dokumentarfilm „Groen Goud 2“ (Grünes Gold 2) aus, der die Aufmerksamkeit auf Initiativen der biologischen Landgewinnung und Wiederaufforstung in Indien, Spanien und natürlich Ägypten lenken will. Der jetzt gezeigte zweite Teil des Films behandelt unter anderem SEKEM. Ein früherer Teil zeigte die Trockenlegung des Huangtu Plateaus in China. Beide Teile können noch im Internet angesehen werden (auf Niederländisch). Mit den eigenen Händen hat Jadav Payeng 300ha erodierten Böden in Assam, Indien aufgeforstet. Elefanten, Tiger, Hirsche, Nashörner und viele Vögel kehrten daraufhin zurück. In Spanien sind große Gebiete als Folge der fehlerhaften Umsetzung von Agrarsubventionen, unkluger Wasserund Landnutzung und großflächiger Erosion ausgetrocknet. Agro-Ingenieur Pedro Alonso Fernandez begann mit einem kleinen Landgewinnungsprojekt in Ayoo de Vidriales und konnte zeigen, dass Bio-Methoden erodierten und versalzen Boden zurückgewinnen können. Diese Landrückgewinnung wurde am Beispiel SEKEMs umfassend dargestellt. Der Bericht zeigt Felder, Ernte, Sozialarbeit und Interviews mit Dr. Ibrahim und Helmy Abouleish. „Eine besserer Beweis dafür, dass Landgewinnung und soziale Innovation Hand in Hand gehen, kann kaum gefunden werden“, so der Dokumentarfilmer. Der Dokumentarfilm wird von Live-Diskussionen über das Thema Landgewinnung mit Hilfe organischer Methoden in verschiedenen niederländischen Städten begleitet. Hendrik Jan Bakker SEKEM-Freundeskreis Holland

Angela Hofmann SEKEM können sie auch besuchen:

www.SEKEM-reisen.de

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Mehr Informationen:

http://tegenlicht.vpro.nl/ afleveringen/2011-2012/Groen-Goud.html

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Impressionen

Impressionen aus SEKEM

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er Verlag edition esefeld & traub begann 2008 mit der Publikation der Reihe der Stadtlesebücher, die sich in Text und Bild mit den internationalen Metropolen auseinandersetzen. Was macht eine Metropole jenseits bloßer Größe und Dichte aus? Die Stadtlesebücher suchen nach Antworten. Jetzt ist der Band „MYCAI – Mein Kairo“ jetzt erschienen. Der Band enthält zahlreiche Aufsätze zur Stadt und ihren Menschen, darunter auch Beiträge von Hans Werner und Bruno Sandkühler, die SEKEM seit Jahren unterstützen. Grundlage des Bandes sind die Fotografien von Barbara Armbruster und Hala Elkoussy, die unbekannte Seiten der Megalopolis aufspüren: Exotisches in den islamischen Vierteln, Modernes bei der Tahrir-Platz-Jugend bis hin zu Erdrückendem in den gigantischen Trabantenstädten. Der tägliche Kampf auf Kairos Straßen gehört ebenso dazu wie die Beobachtung kurioser Szenen. Der Band kann bezogen werden bei: edition esefeld & traub, Humboldtstr. 6, 70178 Stuttgart, http://www.edition-et.de/. SEKEM Insight | November 2014 | Seite 3


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Kurznachrichten

„ISIS“-Internetpräsenz neu gestaltet

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eit 2010 finden Kunden von ISISProdukten in Ägypten und anderen Ländern des mittleren Ostens alle Hintergründe zu Sortiment, Inhaltsstoffen und Herstellungsmethoden auf einer zentralen Seite. Die Seite wurde konstant weiterentwickelt und optimiert und erscheint jetzt in völlig neuem Gewand. Im Sommer 2014 begann die um­ fassende Überarbeitung der gesamten Inter­net­präsenz, die sowohl auf Englisch und Arabisch abrufbar ist. ISIS-Produkte gehören zu den beliebtesten biologisch produzierten Lebensmitteln in Ägypten und anderen Ländern der Region.

Veranstaltung mit SEKEM in Basel

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m 14.11.2014 nimmt SEKEMs Ansprechpartner für die Presse und Öffentlichkeit in Europa, Bijan Kafi, für die Initiative am Podium „FairAnstaltung: Ist fair fair genug?“ in Basel im unternehmen mitte, Gerbergasse 30, teil. Er spricht mit anderen Aktiven über den fairen Handel, was er bringt und warum er noch besser werden muss. Organisiert wird die Abendveranstaltung, die nach einer Diskussion auch noch Workshops bietet, von der Mikrofinanzorganisation Oikocredit. Interessierte Teilnehmer sind ohne Anmeldung willkommen.

Es war das Ziel der Entwickler, die Seite noch ansprechender und visuell überzeugender zu gestalten. Indem die Produkte in großen, farbigen Abbildungen jetzt noch stärker im Vordergrund stehen und die Navigation grundlegend neu durchdacht wurde, ist das Angebot jetzt noch kundenfreundlicher. Die Seite orientiert sich jetzt auch an der visuellen Identität SEKEMs und der übrigen SEKEM-Firmen. Thomas Abouleish

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Mehr Informationen:

http://www.isisorganic.com

SEKEM Insight abonnieren Herausgeber v.i.S.d.P.: SEKEM, Egypt. Die Redaktion von SEKEM Insight dankt allen Korrespondenten, die an dieser Ausgabe mitgewirkt haben. Redakteur: Bijan Kafi Kontakt: SEKEM-Insight c/o SEKEM Holding P.O.Box 2834, El Horreya, Heliopolis, Cairo, Egypt insight@SEKEM.com Bildnachweis: 1: Bijan Kafi; 3: edition e&t; 4: SEKEM Keine Vervielfältigung ohne schriftliche Einwilligung des Herausgebers. Markenzeichen sind Eigentum der jeweiligen Markeninhaber.

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