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EScORT PROVINZIAL

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ediTo Rial

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„Oh, schau mal Heinz, da drüben stehen die Nutten so offen auf der Straße - ja, ja, das gibt‘s nur hier auf St. Pauli!“ So oder so ähnlich schallt es tagtäglich aus den Touristentrauben, die im Akkord über die Reeperbahn, die „sündigste Meile Deutschlands“, geschleift werden. Aber stimmt das? Etablissements, in denen sich Frauen prostituieren, gibt es überall. Von Buxtehude bis Bad Tölz ist käufliche Liebe verfügbar, weniger auffällig und ohne rote Lichter unter dem biederen Deckmantel der Kleinstadtidylle, getarnt als einfache Wohnhäuser oder Mietwohnungen. Nur will davon natürlich keiner etwas wissen, geschweige denn zugeben, jemals ein Bordell von innen gesehen zu haben. Vielmehr werden Provinzpuffs von den meisten Gemeinden und Kommunen stillschweigend geduldet, dienen die sündigen Institutionen letztendlich doch dem Wohlbefinden der männlichen Einwohner - inklusive Bürgermeister, Gemeinderat und Vertreter der Kommunen. Eine mehr oder minder vage Vorstellung von den Aktivitäten innerhalb eines Bordells hat wohl jeder. Wenn man Männer jedoch direkt darauf anspricht, will niemand je in einem gewesen sein. Aber - was genau passiert dort, und mit wem, wie, weshalb und warum? Dabei geht es hier nicht um die Opferstellung der Frau, sondern vielmehr um eine möglichst neutrale Darstellung des ältesten Gewerbes der Welt. Was bringt Frauen dazu in einem Provinzkaff anzuschaffen? Eine falsche Versprechung, das Geld, der Zuhälter, die Verzweiflung, der Druck oder, wie von vielen Kunden gerne vermutet, der pure Spaß an der Lust? Wie sieht dieser Alltag aus? Was passiert hinter den Kulissen, fern ab von „aufklärenden“ Reality-TV-Formaten á la „Spiegel TV“ und „24 Stunden“-Reportagen. Ich möchte einen Einblick in diesen Alltag geben und hinter zugezogene Gardinen schauen, genauer gesagt in Ostwestfalen-Lippe. Weit weg von großstädtischer Anonymität, in einer konservativen Kleinstadt in Ostwestfalen-Lippe, in der „jeder jeden kennt“.


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sTandoRT standort Provinziell Wo geht es rein

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seRviCe lost in Translation icons anwendungsbeispiele

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RePoRTaGe Fotoreportage: der triste alltag eines Provinzpuffs

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inTeRvieWs mit Trixi & uwe Puff-anekdoten: ein Gespr채ch mit den Betreiber

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sTandoRT Was und wo soll diese Provinz 端berhaupt sein und wie sieht es vor ort aus?

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Doppeleichel-Penis zum Aufziehen


PRo vinZ iell

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osTWesTFalen-liPPe Ostwestfalen-Lippe liegt im Osten von Westfalen. Kulturell und im Selbstverständnis der Bewohner wirken noch oft die historischen, politischen und konfessionellen Grenzen in der Region fort, so dass die Region in das lutherische Minden-Ravensberg im Norden, das überwiegend katholische Hochstift Paderborn und das evangelisch-reformierte Lipperland im Osten unterteilt werden kann. Ostwestfalen-Lippe hat rund 2,07 Millionen Einwohner und umschließt eine Fläche von etwa 6.500 Quadratkilometern. Dies entspricht etwas mehr als über 10 Prozent der Einwohner, aber rund einem Fünftel der Fläche Nordrhein-Westfalens. Ostwestfalen-Lippe weist damit die geringste Bevölkerungsdichte im Vergleich zu den übrigen Regierungsbezirken in NRW auf, hat aber eine annähernd doppelt so hohe Bevölkerungsdichte im Vergleich zum angrenzenden Niedersachsen und liegt auch oberhalb der Bevölkerungsdichte des Bundes.


misCHGeBieT Das klingt nach miefiger Provinz, nach penibel gepflegten Vorgärten mit Gartenzwergen und akkurat gestutzten Hecken neben grundsoliden, mittelständischen Unternehmen, die Baustoffe, Getränke oder Sanitärbedarf verkaufen. Und so ist es dann auch. Laut Paragraph 6 der Baugesetzverordnung dient ein Mischgebiet‚ der Unterbringung von Gewerbebetrieben, die das Wohnen nicht wesentlich stören. In dieser Idylle ist Prostitution natürlich nicht gerne gesehen, schließlich birgt sie sozialen Sprengstoff in sich. Man stelle sich vor, neben Elektro-Thomas und dem dazugehörigen Einfamilienhaus mit einem ‚Hier lebt, lacht, zankt und liebt Familie Thomas’-Klingelschild erstrahlt plötzlich ein großes, rotes Herz, das dezent aber bestimmt mit der Fantasie der Anwohner spielt. Das geht natürlich nicht – und deshalb sieht die Verordnung vor, dass die gewerbliche Betätigung nur wohnähnlich in Erscheinung treten darf.

Was heißt das nun für das horizontale Gewerbe im Mischgebiet? Möglich oder grundsätzlich verboten? Dazu gibt es den Hinweis, dass Rückschlüsse auf Prostitutionsausübung nicht zulässig seien. Hier scheinen Konflikte vorprogrammiert, denn das insich-gekehrte Wesen der Prostitution schafft in der Nachbarschaft Raum für Spekulationen: „Hast Du gesehen? Gestern war schon wieder ordentlich Betrieb nebenan“ oder sogar‚ „ich glaub, ich hab’ gestern Nacht den alten Meyer aus dem Haus gegenüber kommen sehen.“ Trotz Abwesenheit eines roten Herzens – der Fantasie sind erst recht keine Grenzen gesetzt.

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KReis HeRFoRd Der Kreis Herford ist mit einer durchschnittlichen Einwohnerdichte von 564 Einwohnern pro km² für einen Kreis dicht besiedelt. Der Kreis liegt im Nordosten von Nordrhein-Westfalen, im Norden Ostwestfalen-Lippes. Der Kreis Herford mit seinen rund 253.000 Einwohnern setzt sich aus sechs Städten und drei Gemeinden zusammen.


WeR KennT sie niCHT

voR In den Hinterzimmern des Erotik-Fachgeschäfts wartet die käufliche Liebe. Drei Damen werben mit Anzeigen im Internet um Kunden. Wählt man eine dort angegebene Handynummer verrät eine junge Frau wie man in das Etablissement kommt. Für die direkten Nachbarn des besagten Betriebes bedeutet dieser mehr Last als Lust. Was genau sich hinter der Eingangstür abspielt, können sie allerdings nur erahnen. ”Immer wieder sind aus der Wohnung Geräusche zu hören, die garantiert nicht vom Möbel rücken stammen”, sagt eine Nachbarin. Eine andere Bewohnerin des Mehrfamilienhauses, das durch einen Durchgang mit den Räumlichkeiten des ErotikShops verbunden ist, beobachtet fast allabendlich mit Einbruch der Dunkelheit Männer, ”die mit ihren Autos vorfahren, aussteigen, einen Blick, in ihre Portemonnaies werfen, ein- zweimal auf und ab laufen und dann den Weg zur Tür suchen.” Regelmäßig fahre auch ein Auto mit tschechischem Kennzeichen vor und lasse junge Frauen aussteigen, so die Bewohnerin, die, wie auch die Kunden des Etablissements, unerkannt bleiben möchte. Sie habe Angst und fühle sich in ihren eigenen vier Wände nicht mehr geborgen.

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„ Diese Aussagen sind typisch für die Vorurteile und provinzielle Denkweise vieler Nachbarn. Das wir hier schon seit über achtzehn Jahren vor Ort ausschließlich ein Tagesgeschäft mit höchster Diskretion betreiben, wird durch die Aussagen der Nachbarn schlichtweg verdreht“, so der Betreiber. Auch das der Eigentümer des Sex-Shops und der Wohnung der stellvertretende Bürgermeister ist, stört soweit wohl keinen. Nach eigener Aussage, ist er darüber informiert, dass in den Räumlichkeiten der Prostitution nachgegangen wird. Den Betrieb in der Wohnung sehe er allerdings kritisch. ”Das muss er auch so sagen, ansonsten macht ihm nicht nur seine Frau die Hölle heiß”, hält der Betreiber dagegen. „Auch er denkt, wie die Prostituierten, nur an das Geld, da sieht man auch schnell mal über seine moralischen Werte hinweg. In der Öffentlichkeit würde das aber natürlich niemand zugeben, vor allen Dingen nicht, wenn man der stellvertretende Bürgermeister ist.“ Auszug eines Zeitungsartikel in der Neuen Westfälischen, vom 8. April 2011

oRT

Der Ort der käuflichen Liebe hat viele Namen: Bordell, Freudenhaus, oder ganz volkstümlich Puff. Jeder kennt das einsame Häuschen an der Bundesstraße, mit einer verräterischen roten Leuchtstoffröhre. In einem kleinen Städtchen, im Herzen von Ostwestfalen-Lippe, geht man dem ältesten Gewerbe in einer Wohnung hinter einem Erotik-Shop nach.

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BoRdellmodelle Im Kreis Herford gibt es verschiedene Etablissements mit unterschiedlichen Konzeptmodellen. Von Häusern mit klassischem Barbetrieb und separierten Zimmern (1, 2), über den Sauna-Club (3) und das Laufhaus, bis hin zur Modellwohnung, welche sich, wie in unserem Fall, in einem Mietshaus befindet (6).

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Bielefeld

5 Paderborn

PRovinZPuFF Ein Puffbesuch ist ungleich komplizierter als ein Gang zur Behörde, der Einkauf im Baumarkt oder auch ein Besuch in der Kneipe um die Ecke. Denkt man zumindest. Hält man sich die von außen wenig einladenden Gemäuer mit verrammelten Fenstern und verschlossenen Türen vor Augen, an denen man auf jeder Landstraße und in jedem Gewerbegebiet vorbeikommt. Dennoch verfügen sie über eine magische Anziehungskraft: Was befindet sich im Innern, wie geht es dort zu, werden in den abgedunkelten Räumen gar meine geheimsten sexuellen Wünsche befriedigt? Viele können der Versuchung der Sache auf den Grund zu gehen, nicht widerstehen. Was diese Menschen erwartet, darüber sollen die nächsten Seiten Aufschluss geben.

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Wo GeHT es Rein 12

Ist die Idee erstmal im Kopf, beginnt der Freier zu recherchieren. Weil er sich auf verbotenen Pfaden bewegt, nutzt er dazu das Internet oder studiert Kontaktanzeigen der Lokalzeitungen. Hier stolpert er dann bald über Werbung, geschaltet von einem Puffbetreiber in seiner Umgebung. Er erfährt erste Details, kann sich Bilder von Leichten Damen anschauen und wird informiert, was er erwarten darf. Jetzt wird es ernst, denn wenn der Freier nicht nur gucken will, sondern auch anfassen, muss er zum Telefonhörer greifen. Hat er sich durchgerungen und die Nummer gewählt, wird er als nächstes mit der so genannten Puffmutter sprechen. Die verfügt hier nicht über eine rauchig, kratzige Stimme, wie man vielleicht vermuten würde, sondern flötet angenehm sanft in den Hörer. Sie klingt jung und sexy. Wenn es dem Freier jetzt nicht die Sprache verschlägt, hat er die Kontaktanbahnung gemeistert. Auf Nachfrage verrät ihm die Puffmutter alle wichtigen Eckdaten: Leistungen, Auswahl, Preise, wenn nötig den Anfahrtsweg und die besonderen Begebenheiten des Bordells – und die versprühen in diesem Fall einen besonderen Reiz. Wie ein Agent in einem schlechten Film muss der Freier hinter dem Kundenparkplatz vorbei am Gebüsch und dann an der ‚Warenannahme’ klingeln.

HeReinsPaZieRT und HeRZliCH WillKommen Jedem Erstbesucher schlägt spätestens jetzt das Herz bis zum Hals. Die Tür öffnet sich und vor ihm steht eine leicht bekleidete Frau. Die Puffmutter. Die weiß schon welchen Ton sie anschlagen muss, um den Freier den letzten Schritt gehen zu lassen. Ehe er sich versieht, findet er sich im Kontaktraum wieder. Hier stellt die Puffmutter ihre Frauen vor, übersetzt gegebenenfalls und korrespondiert zwischen Prostituierten und Freier, der jetzt langsam seine Nervosität abgeschüttelt haben sollte. Er wählt ein oder zwei Frauen sagt, was er will und zahlt. Kann er während des Aktes nicht an sich halten und verlangt weitere Leistungen, werden diese später abgerechnet. Jetzt geht es endlich zur Sache. Der Freier ist allein mit seiner Professionellen. Was hier geschieht bleibt selbstverständlich vertraulich. Nur soviel sei gesagt: Ist er fertig, hat er es erfahrungsgemäß sehr eilig den Puff wieder unerkannt zu verlassen.


WoHnunGsPRosTiTuTion Prostitution ist seit dem 1. Januar 2002 nicht mehr strafbar. Auch die Förderung der Prostitution ist nun erlaubt. Die Ausbeutung von Prostituierten hingegen wird verfolgt. Seitdem sind Absprachen über die sexuelle Dienstleistung zwischen Prostituierten und Freier rechtsverbindliche Verträge. Die Prostituierten haben Zugang zur Kranken- und Sozialversicherung und müssen Steuern zahlen. Der Betreiber eines Bordells ist nicht automatisch ein Zuhälter, sobald er annehmbare Bedingungen für die Prostituierten schafft. Er muss - im Gegensatz zur Prostituierten - ein Gewerbe als gewerbliche Zimmervermietung anmelden. Auch die Wohnungsprostitution kann ein Gewerbe sein, wenn die Wohnungsinhaberin Zimmer an Kolleginnen zum Zweck der Prostitution untervermietet. Sie gilt dann als bordellartiger Betrieb, wenn dort drei oder mehr Prostituierte arbeiten. Wird aber in der Wohnung hauptsächlich gewohnt, ist die Anmeldung nicht erforderlich. Dann gilt sie auch nicht als Betrieb. Quelle: Phoenix, Beratungstellen für Prostituierte

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Verglasste Fliesen. Eines der Arbeitszimmer.


seRviCe Was gibt es 체berhaupt alles an dienstleistungen, und wie ist das mit der verst채ndigung?

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Umschnalldildo


losT in TRans l aT i o n 18

Wie viel WoFÜR und Was GiBT es ÜBeRHauPT? Sex ist wie eine universelle, nonverbale Sprache. Die Sprecher verstehen sich weltweit (meistens) blind. Egal, ob eine Brasilianerin einen Iren trifft, eine Vietnamesin einen Norweger oder eine Israelin einen Südafrikaner. Durch das eingeschränkte sprachliche Verständnis erhält das Schäferstündchen oft noch einen gewissen Reiz. So sagt man zumindest. Ist der Akt allerdings geschäftlicher Natur, ändern sich die Vorzeichen. Das konnte ich während meiner Recherche feststellen. Ich stieß auf Zettelsammlungen, die mich ans Vokabeln lernen in der Schule erinnerten. Bei genauerer Betrachtung stellte ich fest, dass es sich um das Einmaleins des Geschäfts handelte – Prostitution in der Nussschale sozusagen. Ganz pragmatisch haben die Liebesdamen aus verschiedenen (meist osteuropäischen) Ländern, das Wesentliche zusammengefasst: Was heißt blasen, was Po? Was Kondom und was Schwanz? Was ist inklusive und was kostet extra? Besonders unromantisch: Zeit ist um! An dieser Stelle wurde mir endgültig klar, dass Sex hier in erster Linie ein Geschäft ist. Ganz nüchtern, ganz unsentimental, als würde man in einem Supermarkt einkaufen – und genauso wird es von den Prostituierten auch verstanden. Aber dazu später mehr. Um allen Beteiligten das hilflose und unwürdige Gestammel im Vorfeld des sexuellen Aktes zu ersparen, habe ich allgemeingültige Piktogramme entworfen. Anhand derer können die Kunden ihre Wünsche äußern und die Sexdienstleisterinnen können aufzeigen, was möglich ist und was nicht. Hierbei habe ich mir die Allgemeingültigkeit von Sex zunutze gemacht. Die Symbole werden verstanden in den Rotlichtbezirken Hamburgs, Amsterdams, Tokios, Moskaus oder Manilas. Und nicht nur dort: sie werden auch verstanden in der Abgeschiedenheit der abgelegensten Weltgegenden. Sie werden überall dort verstanden, wo Menschen leben – und Sex haben.

Puff-Notizen. Texte für Kontaktanzeigen und Übersetzungen


Was und wie viel? Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Die Dienstleistungspalette der Damen ist weit gefasst, viele Kunden können hier das tun, wovon sie zu Hause nur träumen. Das ist dann natürlich Verhandlungssache. Für gängige Praktiken haben sich allerdings bestimmte Begrifflichkeiten etabliert. Der so genannte Girlfriend-Sex gehört dazu. Er ist leidenschaftlich und intensiv – so wie er mit der eigenen Freundin sein sollte. Der Quickie hat sich bereits in den Alltagssprachgebrauch eingeschlichen. Er kostet 50 Euro und dauert 20 Minuten. Natürlich lässt sich der Quickie auch noch verfeinern. Zum Beispiel mit Französisch mit Aufnahme. Das kostet dann natürlich extra. In diesem Fall einen Zehner. Eine ganze Stunde kostet 100 Euro und beinhaltet alle hier abgebildeten Dienstleistungen.

QUICKIE Mit einem Quickie umschreibt man den schnellen Geschlechtsverkehr. In diesem Fall bezahlt der Kunde für zwanzig Minuten Geschlechtsverkehr 50 Euro.

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HANDENTSPANNUNG Wird auch Wichsen, Keulen, Schruppen, oder Runterholen genannt. Mit oder ohne Öl, Handmassage mit Happy End. Eine einfache Handentspannung kostet 25 Euro.

SPANISCH / KÖRPERBESAMUNG Wird auch Tittenfick genannt. Den Penis zwischen beiden Brüsten reiben oder / und auf die Brust ejakulieren.

GV - GESCHLECHTSVERKEHR Normaler Geschlechtsverkehr.

FRANZÖSISCH mit aufnahme Oraler Verkehr mit Sperma aufnahme oder / und - schlucken.


duschspass / badespass Zusammen duschen oder baden, mit allem was dazu gehört, waschen, rasieren usw. Kann auch eine Aufforderung zum waschen bedeuten.

KÜSSEN Zärtliches Küssen oder Zungenkuss. Kann auch Schmusen und Streicheln beinhalten.

69 FRANZÖSISCH Oraler Verkehr, ohne Aufnahme. Auch Blasen oder Blow Job genannt. Nur Französisch, ohne Aufnahme kostet 35 Euro.

Gesichtsbesamung Auf das Gesicht ejakulieren.

französisch beidseitig Auch Stellung 69 genannt, gleichzeitige und gegenseitige orale Befriedigung.

französisch bei ihr Orale Befriedigung, vaginal oder oral bei der Frau. Wird auch Lecken genannt.

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Extras Für alle weiteren Dienstleistungen, die noch zusätzlich in Anspruch genommen werden, wie hier abgebildet. Zum Besipiel Analverkehr, Rollenspiele, Fisting usw. werden noch mal 50 Euro fällig. Auffällig beliebt sind Rollenspiele, bei denen die Prostituierte als Krankenschwester, Schulmädchen, Teenie, Sekretärin, Lehrerin oder dominante Chefin auftritt.

AV - ANALVERKEHR Anal Verkehr, auch Griechisch genannt.

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FISTEN Auch Faustfick genannt. Bedeutet das Einführen der Faust, entweder vaginal / anal. Aktiv oder passiv.

LEICHTE ERZIEHUNG Schläge, oder Hiebe auf den Po. Schulerziehung, wahlweise mit der flachen Hand, Peitsche oder mit dem Rohrstock. Aktiv oder passiv.

NS - NATURSEKT Das Anpikeln, Trinken oder Spielen mit Urin. Aktiv oder passiv.

sm - sado maso Zart und hart, devote Sklavenerziehung, Unterwerfung, Demütigungen, Schläge, Masken - Knebelerziehung, Brustwarzenbehandlung, Verbalerotik, aktiv oder passiv.


FINGERSPIELE Oder auch Fingern genannt. Gemeint ist das Einführen von einen oder mehreren Fingern, vaginal / anal. Aktiv oder passiv.

DILDOSPIELE Sexuelle Spiele mit Dildos, Vibratoren, oder anderem Sexspielzeug. Aktiv oder passiv.

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KV - KAVIAR Das sexuelle Spiel mit Exkrementen. Wahlweise auf die Brust, ins Gesicht, in den Mund oder zum Einschmieren der Genitalien bzw. des Körpers. Aktiv oder passiv.

FESSELSPIELE Wahlweise auch Bondage, aktiv oder passiv.

Schuh - Fusserotik Schuherotik mit High Heels, Stiefeln, etc. Sexuelle Spiele mit den Füßen.

DOKTORSPIELE Doktor-, Krankenschwester-, Rollenspiele jeglicher Art, Untersuchungen, Gynäkologe, Klistier, aktiv oder passiv.


Standards Oft ist es schwer, die Sprachbarriere zu überwinden. Daher sind die Icons hilfreich – sowohl für sie als auch für ihn. Die erwünschten Dienstleistungen und die dazugehörigen Preise sind eindeutig zu kommunizieren. Missverständnisse, Enttäuschungen oder Konflikte werden ausgeschlossen. Damit sich die Prostituierten mitteilen können, was geht und was nicht, gibt es natütlich auch für sie Icons.

SAfer sex Geschlechtsverkehr nur mit Kondom.

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kondom aufziehen Entweder aktives oder passives Aufziehen eines Präservatives.


OK

NO

okAy

NO / NEIN

Ja, okay. Alles gut.

Nein!

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zeit l채uft Die vereinbarte Zeit l채uft.

HALT! Stopp, bis hier hin und nicht weiter. Wird nicht praktiziert.

zeit zu ende Die vereinbarte Zeit ist zu Ende. F체r weitere Zeit, oder Dienstleistungen muss extra bezahlt werden.

bezahlen Geld, Money, Cash f체r die Dienstleistung.


Anwendungsbeispiele Anhand von drei Anwendungsbeispielen wird deutlich, was man an Zeit und Geld für Dienstleistungen bekommt und wie man die Icons anwenden kann. Beispiel 1. Für dreißig Minuten und hundert Euro bekommt man einen geblasen und Geschlechtverkehr mit Stellungswechsel, so oft man will. Jede weitere Dienstleistung, wie zum Beispiel, Analverkehr, Lecken oder Fisten, kostet fünfzig Euro extra. Beispiel 2. Für eine ganze Stunde bezahlt man hundertfünfzig Euro. Dafür kann man in der Zeit so oft Geschlechtsverkehr miteinander haben, wie man kann. Auch kuscheln, schmusen, duschen, massieren, Französisch mit Aufnahme, lecken usw. ist inklusive. Analverkehr gilt aber weiterhin, wie in unserem Beispiel, als extra Leistung und wird mit fünfzig Euro extra vergütet.

Beispiel 3. Bei unserem dritten Beispiel entscheidet sich der Kunde für zwei Frauen. Das heißt er muss für eine Stunde jede Frau auch einzeln bezahlen. Sprich hundertfünzig Euro, für eine Stunde, pro Frau. Dafür bekommt er aber das volle Programm, wie hier im Beispiel Dildospiele und Rollenspiele. Bei speziellen Extrawünschen muss allerdings verhandelt werden.

1. 30 min.

100Euro Französisch

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2. 60 min.

200Euro

69 französisch beidseitig

3. 60 min.

300Euro DREIER - MIT 2 FRAUEN


+50Euro

GV - GESCHLECHTSVERKEHR

AV - ANALVERKEHR 27

AV - ANALVERKEHR

SPANISCH

dildospiele

fesSelspiele

duschspass / badespass

leichte erziehung


WeR BeKommT eiGenTliCH Wie viel und WoFÜR? Anhand des dargestellten Ablaufes soll der Geldfluss in dem Bordell verdeutlicht werden. Es handelt sich hierbei um ein Beispiel und und variiert je nach Dienstleistungen, Kunden und Prostituierten.

Sollte die Prostituierte einen Zuhälter haben, muss sie diesem i.d.R. 50% ihres Umsatzes abgeben. Dieser Fall ist jedoch selten geworden und trifft eher auf Frauen aus Nicht-EU-Staaten zu. Der Zuhälter begründet die Kosten meist damit, dass ihn das Mädchen viel Geld 1. Der Freier bezahlt die Prostituierte für ihre Dienst- gekostet hat. Geld für die Reise nach Deutschland, geleistungen, wie im unseren Beispiel, hundert Euro. fälschte Papiere, Kontakte, Unterkünfte, Kleidung, 2. Von den hundert Euro muss sie fünfzig Euro, also Vermittlung zu einem Bordell und vor allen Dingen 50%, an das Bordell bzw. an den Betreiber abgeben. Schutz. Deswegen kommt es auch noch vor, dass sich 3. Dafür bekommt sie ein Zimmer, Kondome und Frauen von ihren Zuhältern frei kaufen müssen. Die Kontaktanzeigen, in der sie persönlich beworben wird Summe hierfür kann sich gern mal auf ein paar Tauz.B. auch professionelle Fotos von ihnen gemacht, die send Euro belaufen. dann in Werbeanzeigen im Internet erscheinen. 4. Somit sollte die Prostituierte also einen Umsatz von fünfzig Euro haben. Wenn sie allerdings ein laufendes Gewerbe angemeldet hat, muss sie pro Tag, zehn Euro Steuern zahlen. Das geht aus dem so genannten Düsseldorfer Verfahren hervor, das eine pauschalisierte Steuererhebung von Einkommens- und Umsatzsteuer bei der Ausübung der Prostitution regelt.

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1

FReieR


umsaTZ

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PRosTiTuieRTe

FinanZamT

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3

ZimmeR, WeRBunG und Kondome ZuH채lTeR

BoRdell / BeTReiBeR


RePoRTaGe der triste alltag in einem Provinzpuff. eine Fotoreportage.

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Der Sqweel Oral Sex Stimulator ist ein Klitoris-Leckrad


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Django macht sich auf den Weg, ins Gesch채ft.


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Django schaut, w채hrend einer Tasse Kaffee, im Laden nach dem Rechten und h채lt die M채dels dabei bei Laune.

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Anna ist neu im Bordell und braucht Nachhilfe in Sachen Oralverkehr, dazu guckt sie sich Pornos in der Videokabine an.


37 Die Frauen warten im Sex Shop auf Kunden.

Die Mitarbeiter schauen gespannt auf die Ăœberwachungskamera, ob eine Frau mit einem Freier in der Wohnung verschwindet.


Nach der Arbeit, ist vor der Arbeit. Rosa zieht im Badezimmerspiegel ihre Schminke nach bevor der n채chste Kunde kommt.


W채hrend Django mit Tanja 체ber die Ordnung im Bordell diskutiert, hat es sich Anna schon auf dem Bett bequem gemacht.


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Eine Prostituierte sitzt rauchend auf dem Bett und wartet in ihrem Zimmer auf den nächsten Freier.

Alexa, die eigentlich Natascha heißt, beim Abspülen.


Django geht mit Sunny einkaufen.

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T端r vom Sex-Shop zum Appartment.


Die obligatorische Zigarette danach.


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Werbetext f端r Anna.


INTERVIEWS Ein Interview mit Trixi und ihrem Freier Uwe.

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Blumenvase in Penis- und Busenform


Interview mit Trixi Trixi möchte nicht erkannt werden, da sie in der Stadt arbeitet, in der sie zur Schule gegangen ist, wohnt und auch nach Beendigung ihres Studiums als Lehrerin arbeiten möchte. Im Gegensatz zu vielen ihrer Kolleginnen, kommt Trixi aus Deutschland und studiert. Während sie auf einen Kunden wartete unterhielt ich mich mit ihr über die Arbeit, Kunden und ganz allgemein übers Wetter - aber lest selbst.

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Hi, wie alt bist du und woher kommst du? Hi, Ich bin 23 Jahre und komm hier aus der Stadt. Gibt es einen Grund warum du dich Trixi nennst? Ich hab mich vorher Zora genannt, aber irgendwie haben alle damit verbunden, dass ich eine Domina bin. Und da hab ich gedacht, da brauche ich was niedlicheres und so hab ich mir Trixi überlegt. Und warum überhaupt einen anderer Namen? Hier heißen alle nicht so wie sie richtig heißen und ich würde jetzt echt nicht sagen, dass mein echter Name so wahnsinnig erotisch klingt, oder süß oder so. Außerdem ist es ja so, dass ich ja schon aus der Stadt hier komme und wenn du dann schon den Vornamen weißt, ist es dann auch nicht so schwer den Nachnamen herauszufinden. Wie lange machst du das hier schon? Fünf Jahre. Du hast also mit achtzehn hier angefangen! Richtig. Wie bist du dazu gekommen? Ja, ich hab erst hier im Sex-Shop gearbeitet und dann hab ich so‘n bisschen mitgekriegt, was da noch so dahinter läuft, hab mich aber innerlich so ein bisschen dagegen geweigert. Ich konnte mir das nicht so vorstellen für wenig Kohle weiter im Shop zu arbeiten und dann hab ich das einfach ausprobiert, ob ich damit klar komme. Ja und da ich mir das eigentlich aussuchen kann und nicht mit jedem gehen muss, finde ich das eigentlich ganz cool. Also du kannst dir die Freier aussuchen? Ja, ich geh bestimmt nicht mit jedem. Das war meine Bedingung. Wie war denn der erste Freier für dich, hast du dir den auch ausgesucht? Nee, der wollte mich unbedingt. Der hat Wochen lang, da habe ich noch im Laden gearbeitet, mich schon damit genervt. Ja und irgendwann hab ich das dann halt gemacht. Ich fand das nicht schlimm, nur'n bisschen ungewöhnlich, weil ich ja nur irgendwie Sex hatte wenn ich 'nen Freund hatte. Das war schon ungewöhnlich. Allerdings wenn du dann abends das Geld in der Hand hast, ist es auch Latte. Wie gehst du mit dem Gefühl um, dass der Freier seinem Partner, wenn er einen hat, betrügt? Ja, also die meisten haben ja nun'nen Ehering. Manche reden ja auch darüber, über ihre Frau und warum. Ich sag mal so, das hat mein Bild über Männer natürlich wahnsinnig verändert, andererseits muss ich sagen, was ich so höre, wenn das wirklich so ist, sind die Frauen selber dran Schuld. Die können ja jetzt nicht denken, nur weil sie Kinder haben, dass der Mann keinen Bock mehr auf Sex hat oder so. Also ich denke, wenn man sich irgendwann keine Mühe mehr in einer Partnerschaft gibt, dann ist das normal. Ich glaube es ist immer noch besser zu einer Prostituierten zu gehen und das als Frau zu wissen, als zu ahnen, dass der Mann eine Affäre hat. Fühlst du dich als Sexobjekt ausgenutzt oder von den Freiern eher verehrt? Gar nichts von beiden. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich finde eher, dass ich die ausnutze, weil ich mein die bezahlen für was, was du normalerweise, wenn du jung bist und gut aussiehst, eh machst.

Ich brauch nur in die Disco zu gehen und kann fünf oder sechs Typen abschleppen, wenn ich Bock hab. Und die müssen nun halt dafür zahlen. Auch jüngere Typen, die achtzehn sind und gut aussehen, aber nur wahnsinnig schüchtern, oder einfach ein bisschen dicker sind, oder unterum nicht so gut gebaut und deswegen dafür bezahlen. Aber so im Generellen sehe ich mich nicht ausgebeutet, wenn du da jetzt auf diesen Emanzipation Aspekt eingehen möchtest. Ich hab mich dafür frei entschieden, ich werde ja nicht dazu gezwungen. Ich kann ja aufhören, wenn ich das möchte, ich hab ja absolute freie Wahl. Würdest du also sagen, dass du durch den Job selbstbewusster geworden bist, was zumindest dein Auftreten gegenüber Männern angeht? Nee, ich war schon immer selbstbewusst. Obwohl ich ja schon Stammkunden habe, die dann jede Woche kommen und jedes Mal genug Geld für dich bezahlen, das bestätigt dich halt, dass du ja schon irgendwie was haben musst, dass die immer wieder zu dir gehen und nicht zu einer anderen. Machst du das eigentlich hauptberuflich oder nebenbei? Nebenbei. Ich finanziere so mein Studium. Verdienst du dadurch gutes, bzw. sehr gutes Geld damit, oder ist es tatsächlich nur ein Nebenjob? Also es ist auf jeden Fall mehr als'n normaler 400 Euro Job, was ich verdiene. Ich arbeite meist drei mal in der Woche und ich bin auch nicht elf Stunden am Tag dann hier. Ich arbeite ja auch wie es grad am besten in meinen Zeitplan passt. Ich muss ja auch für die Uni lernen und ein Privatleben habe ich ja auch noch. Aber ich kann ja auch, wenn keiner kommt, hier meine Uni-Sachen machen. Und ob ich jetzt zuhause sitze und lerne, oder hier nebenbei noch Geld verdiene. Das könnte ich, wenn ich im Supermarkt an der Kasse sitze, halt nicht. Ich würde um einiges weniger verdienen und könnte nicht so viel für die Uni tun. Und warum hast du dich jetzt ausgerechnet dazu entschieden mit Sex Geld zu verdienen? Ja, es ist schnelles, leicht verdientes Geld für mich. Sprichst du denn dann auch offen über deinen Job, oder verheimlichst du das vor Freunden und Bekannten? Zu Bekannten sage ich, dass ich im Sex-Shop als Verkäuferin arbeite. Mit meinen besten Freunden spreche ich natürlich darüber, denn manchmal erlebt man so schräge Sachen, die kann man garnicht für sich behalten. Würdest du sagen das du das machst, weil dir Sex mit vielen Männern viel Spaß macht, oder geht es dir nur um das Geld? Es geht mir nur um das Geld! Also manchmal machst auch Spaß, aber ich würde jetzt nicht sagen das es eine Berufung für mich ist und ich möchte das ja auch nicht mein Leben lang weiter machen. Ich mach das jetzt noch drei Jahre, bis ich mein Master habe und dann ist für mich hier Schicht im Schacht.


Was machst du denn, wenn ein Freier zu dir kommt, aber nicht genug Geld dabei hat? Kommt darauf an wie der aussieht, oder wie der wirkt. Wenn das so ein Anzugtyp ist, wo ich schon gesehen habe, der ist hier mit einem dicken Benz vorgefahren, generell nicht. Aber wenn das jetzt jüngere sind, wenn ich merke, dass der zum ersten Mal hier ist, die wissen nicht genau und so weiter, dann nimmst du halt was vom Service runter, dass du so mit ihm auf eine Schiene kommst. Oder du nimmst ein bisschen von der Zeit oder sowas. Oder du sagst halt, ach komm, ob er die zehn Euro jetzt weniger hat ist auch egal. Je nachdem wie authentisch er rüberkommt. Bietest du deine Dienstleistungen auch einem Behinderten an? Ja, ich hab auch Kunden die behindert sind. Was haben die für eine Behinderung? Also einer, der ist im Rollstuhl und ist, glaube ich, Querschnittsgelähmt. Der ist aber trotzdem recht selbstständig, der wäscht sich zum Beispiel selbst und ansonsten funktioniert auch alles andere. Ich sag mal so, wenn du im Bett liegst, liegst du im Bett, da kann er sich ja trotzdem bewegen. Und der andere ist halt leicht geistig behindert und bei dem ist es halt immer ein bisschen schwieriger, weil er

»Männer verstehen das nicht, sie denken nur Männer können Sex ohne Gefühle haben.« sich immer verliebt und dich dann heiraten will. Der sagt dir dann auch so Sachen wie: „Ja wenn du meine Freundin wärst, dann müsstest du das hier nicht mehr machen“. Viele Männer haben dieses Helfersyndrom, so nach dem Motto: du arme Studentin ich hole dich hier heraus. Also das ist schon manchmal witzig. Würdest du auch weiblichen Kunden deine Dienstleistungen anbieten? Auf jeden Fall, hätte ich sogar mehr Spaß dran. Ich bin ja auch Bisexuell. Wer, oder was für ein Typ, wäre denn für dich der perfekte Freier? Mein Lieblings-Freier, sind gar nicht mal die jungen Achtzehnjährigen, weil die wollen einfach zu viel, jede Stellung und so, das macht mir auch keinen Spaß, wenn du alle zehn Sekunden immer die Stellung wechseln musst. Perfekt sind die so Mitte dreißig, Anfang vierzig, gepflegt, schon so wenn sie mit Anzug kommen, das finde ich schon ganz sexy. Die nett sind, die ein bisschen mit dir reden, dich aber nicht mit ihrer Familie oder ihren Problemen volllabern, sondern sagen was sie wollen und danach wieder schnell weg sind und nächstes Mal wiederkommen, am besten jede Woche so. Halt ein gutes Verhältnis, das aber nicht ins Private geht. Welcher Service gefällt dir dann dabei am besten? Ja, am besten ist natürlich wenn die so eine Stunde nehmen, Analverkehr mit dabei ist, Rollenspiele, was weiß ich, dass es fünfzig Euro extra gibt! Gibt es für dich einen Unterschied zwischen dem Sex mit einem Freier oder mit deinem Partner? Wenn ja, wie äußert sich das?

Ja, es gibt schon 'nen Unterschied, weil hier guck ich auf die Uhr, ich gucke wie ich aussehe, ich sag dem ja auch nicht, dass ich ihn liebe oder Schatz oder irgendwie sowas. Ich weiß nicht, ich steh ja auch privat nicht so auf Kuschel-Sex. Der Sex ist schon ungefähr gleich, außer dass ich mich besser fallen lassen kann und ich zum Beispiel auch kommen kann, das kann ich hier nicht. Also hast du gerade einen Partner? Ja, ich habe einen Freund. Machst du mit deinem Partner die selben Sachen wie mit einem Kunden? Na gut, du hattest bestimmt auch schon mal Sex und so eine unglaubliche Spannweite gibt es da nicht, es gibt gewisse Stellungen, du machst Oralverkehr, ich mein das ist halt alles das Gleiche, ich kann ja nicht neue Sachen erfinden nur um irgendwas anderes zu machen. Befriedigst du dich überhaupt noch selbst? Nee. Wie würdest du denn darauf reagieren, wenn dein Partner zu einer Prostituierten gehen würde? Ich glaube ich würde an meiner Qualität zweifeln , aber wir haben so viel Sex, ich glaube nicht, dass er da noch großartig Bock hat. Würdest du für deinen Partner den Beruf aufgeben? Ich habe letztens überlegt ob ich wegen meinem Freund aufhöre, aber letzendlich. Männer verstehen das nicht, sie denken nur Männer können Sex ohne Gefühle haben und Frauen könnten sowas nicht. Deswegen ist es am besten dem Freund gar nichts davon erzählen, so denkt der noch, vielleicht verliebt die sich da, was aber definitiv niemals passieren wird. Also redest du gar nicht mit deinem Freund darüber? Am Anfang unserer Beziehung habe ich ihm das schon erzählt. Er wollte halt das ich damit aufhöre und denkt das halt auch. Sonst wäre ich, glaube ich, auch gar nicht erst mit ihm zusammen gekommen. Deswegen ist es auch grad ein bisschen schwierig, ich fühl mich halt nicht unbedingt gut dabei, aber andererseits sehe ich halt das Geld. Und wie verheimlichst du das? Ich sag ihm, dass ich vorne im Laden arbeite, obwohl er am liebsten hätte, dass ich dort auch nicht mehr arbeite, weil er ja weiß, was hier noch so passiert. Er hätte halt gern, dass ich ein ganz anderen Job mache, aber das geht halt echt nicht, ich hab mich ja schon an einen gewissen Standard gewöhnt. Wenn er dann danach fragt, spiel ich mit der Taktik einer Frau und spiel dann einfach beleidigt und dann entschuldigt er sich dafür, dass er überhaupt gefragt hat. Und was wäre, wenn er es jetzt doch heraus bekommen würde? Ja, dann, glaube ich, würde er Schluss machen. Funktioniert das überhaupt, kriegt man eine Beziehungen und diesen Job unter einem Hut? Bis jetzt gab's jedes mal Stress wenn das rausgekommen ist. Einer kam dann auch in'n Laden und hat da voll Stress gemacht. Der hatte sich aber von mir gut aushalten lassen, mit Klamotten und so und ist deswegen mit mir zusammen geblieben. Weiß deine Familie denn, dass du hier arbeitest?

Nein, meine Familie weiß das nicht. Weil das bei uns in der Familie sowieso ein Tabuthema ist, meine Oma denkt immer noch ich sei Jungfrau und warte bis zur Ehe. Wir sind auch ein bisschen religiöser, deswegen erzähl ich das nicht. Ja und ich glaube, dass sich meine Mutter das schon denken kann, irgendwie, weil sie zahlt mir halt kein' Unterhalt, ich bekomm kein' Unterhalt von meinem Vater, ich bekomm halt nur Kindergeld und sie weiß halt das ich im Sex-Shop arbeite. Aber ich mein, wenn sie mal nachrechnen würde, dann wüsste sie auch, das dass auf gar keinen Fall sonst funktioniert. Sie sieht doch, dass ich neue Klamotten hab, ein neues Auto hab und so weiter. Also, ich denke sie will da einfach nicht darüber reden. Würdest du denn deinen Kinder mal davon erzählen, dass du als Prostituierte gearbeitet hast? Nein, da bekommt ja das Schimpfwort Hurensohn eine ganz andere Bedeutung. Würdest du dich als naiv oder als kalkuliert einschätzen, oder weder noch? Ich sehe ja auch andere Mädels, wie die damit umgehen, also ich würde mich nicht als dumm oder naiv sehen, nur weil ich das mache. Ich sehe das eher so, dass es das Schlauste ist was du als Frau machen kannst, um schnell Geld zu verdienen. Das Ding ist ja, dass ich ja nicht alles für Schminke, Parfum oder so ausgebe, ich lege ja auch ordentlich Geld beiseite. War einer deiner Freier schon mal ein Bekannter von dir? Ja, hatte ich schon, zwei Stück. Das war am Anfang, als ich noch Single war, da bin ich mit denen aufs Zimmer gegangen, weil die halt gut aussahen und so. Das doofe war nur, dass der eine von denen mein Nachbar war und der stand dann auch irgendwann so in seiner Freizeit vor meiner Tür und dachte dann: Wofür bezahlen, wenn sie doch meine Nachbarin ist. Dem musste ich dann'ne deutliche Ansage machen. Es kommt darauf an, wenn ich Single bin ist mir das relativ egal, weil meist reden die Typen eh nicht drüber, weil denen das meistens selber unangenehm ist. Wenn ich weiß, dass es so Laberköpfe sind, geh ich natürlich nicht mit denen aufs Zimmer. Musst du dich für manche Dienstleistungen überwinden, oder wann sagst du Nein und was würdest du nie machen? Am Anfang habe ich zum Beispiel kein Anal angeboten, weil ich dachte wenn da so ein Typ mit so einem mega Ding kommt und so, aber dann meinte mein Chef halt, dass ich das dann nicht machen muss und dann habe ich das halt gemacht. Überwinden muss ich mich eigentlich meist nicht, weil ich ja auch nur das mache worauf ich auch Bock habe, sonst kommt es einfach auch nicht authentisch rüber. Was ich aber auf jeden Fall nie machen würde, wäre so Kaviarspiele, SM, oder mich Anpissen lassen, ich würde das nicht trinken oder sonst was. Wie gehst du denn mit Freiern um, vor denen du dich ekelst? Mit denen geh ich nicht aufs Zimmer. Außer es sind so Kandidaten die nur reden wollen.

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»Der hat eine Stunde mit Rollenspiel bezahlt, also zweihundert Euro, dafür, dass er meine durchgekauten Kekse essen konnte.«

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Bist du nach Feierabend ein anderer Mensch? Ja. Also ich versuche schon authentisch rüber zu kommen. Ich rede nach Feierabend ja jetzt auch nicht so pervers mit meinen Freunden darüber, wie auf dem Zimmer oder so. Also wenn ich Feierabend habe bin ich halt ich und nicht Trixi. Und dann gibt es für mich andere Themen, denn hier geht es meist immer um die gleichen Themen, du hörst hier eigentlich jeden Tag das gleiche. Findest du dich schön oder holst du dir Anerkennung von den Freiern? Das eher weniger, weil mir das eigentlich egal ist was sie über mich denken. Aber mit dem schön ist das immer so eine Ansichtssache, ich glaube wenn man mich so sehen würde, würde man nicht denken, dass ich eine Prostituierte bin. Ich mein ich bin total zutätowiert, ich bin gepierct, ich bin so nicht das typische Schönheitsideal für viele Männer. Ich sehe halt eher so aus, als könnten sie mich auch so auf der Straße ansprechen. Meinst du, das ist der Grund weshalb welche ausgerechnet zu dir wollen? Ich weiß nicht. Ich rede viel, vielleicht eher deswegen. Vielleicht auch weil ich deutsch spreche und die meisten anderen Mädels eher nicht. Ich erzähle dann ja auch, dass ich Studentin bin und viele Männer finden schon das allein geil, mal mit einer Studentin zu ficken. Also kleidest du dich auf der Arbeit eher normal oder trägst du Dessous? Schon, ich hab ja schon Dessous drunter. Aber mir ist aufgefallen, dass du das überall hast, dass sie High Heels und Dessous tragen, die sehen halt alle gleich aus. Da gibt es kaum welche die normal aussehen, ich mein jetzt nicht so bieder oder so, sondern schon aufreizend, aber halt nicht zu nuttig. Und kleidest du dich dann auch so privat? Nee, zuhause lauf ich nur in Jogging-Anzug und Nike Air Max rum. Vielleicht wenn ich ausgehe oder mal für meinen Freund. Aber eigentlich gibt es bei mir zwei Fächer im Schrank, einmal für die Arbeit und privat. Was anderes: Würdest du ohne Verhütung mit einen Freier schlafen? Nein. Denkst du an Geschlechtskrankheiten? Ja, vor allen Dingen wenn ich Kolleginnen habe, die ohne Gummi arbeiten. Ich benutze zum Beispiel jedes Mal Sagrotan wenn ich zur Toilette gehe. Da fühle ich mich auch eher unwohl, wenn ich weiß da ist eine, die macht es ohne, da bin ich auch ganz empfindlich was den Haushalt hier angeht. Also ist Hygiene für dich in diesem Job sehr wichtig? Auf jeden Fall. Auch, dass man mit dem Freiern vorher ins Bad geht und ich das selber mache. Ich könnte die niemals einfach so ins Bad schicken, ich meine Männer sind da halt einfach nicht so wie Frauen, ich muss das selber sauber machen. Und wenn der zu doll stinkt, schick ich den auch unter die Dusche, nicht nur eben waschen oder so. Machst du denn regelmäßige Tests, zum Beispiel gegen Aids? Ja mach ich, zum Beispiel auf Chlamydien und so nen Scheiß. Und ansonsten mach ich schon alle

halbes Jahr ein Aids-Test, aber das würde ich auch so machen wenn ich nicht den Job machen würde. Gibt es viel Gezicke bei den Frauen untereinander und wie ist das Verhältnis zu den Arbeitskolleginnen? Schon. Aber meistens halte ich mich da raus, weil mir das auf ein Niveau entgleitet, wo ich mich nicht wieder finden möchte, aber das kriegst du dann schon mit. Teilweise ist es dann so, dass sie nicht korrekt abrechen und dann bist du halt im Zwiespalt, sagst du es dem Chef, sagst es nicht. Ist ja auch irgendwie petzen. Aber andererseits bin ich jetzt schon fünf Jahre hier. Die anderen Frauen kommen und gehen und ich finde es schon wichtig, ehrlich zu sein. Deswegen erzähl ich das meistens auch, aber manchmal dann erst, wenn die Frauen weg sind. Ich hatte aber auch schon nach Feierabend, so privat, mit ein paar Mädels zutun, ist aber eher selten. Denn meistens sind die vom Niveau her, meist ganz tief unten. Wie ist denn das Verhältnis zum Betreiber? Ich finde meinen Chef witzig, der ist auf jeden Fall cool drauf. Wenn der da ist, ist hier immer gute Stimmung, dann gibt es hier keine, die irgendwie schlecht drauf ist oder so. Der bringt hier Stimmung mit rein. Natürlich gibt es manchmal Stress und dann kann er auch cholerisch sein, aber für mich ist er eher so eine Vaterfigur, würde ich fast schon sagen. Aber vielleicht liegt es daran weil ich keinen Vater habe. Er sagt mir auch, dass ich nichts machen muss, was ich nicht will. Wenn ich krank bin sagt er: Gesundheit geht vor, also das ist nicht so ein Asi-Chef, wie man das vielleicht so aus dem Fernsehen kennt, wie sich viele so 'nen Zuhälter oder so vorstellen. Wie schaltest du nach der Arbeit ab? Also, ich fahr erstmal nach Hause, pack meine ganzen Klamotten aus und so weiter. Kommt immer darauf an ob Wochenende ist, oder in der Woche. Aber meistens mach ich mir erstmal nen Kaffee, setz mich hin, rauch eine und überlege dann weiter was ich mache. Und am Wochenende gehe ich meist mit Freunden normal feiern. Wie gehst du damit um, wenn sich ein Freier in dich verliebt, oder hast du dich schon mal in einen Freier verliebt? Also ich habe mich noch nie in einen Freier verliebt. Aber mir ist das jetzt schon einpaar Mal passiert, dass sich Freier in mich verlieben. Gerade letztens. Und dann kommen die tatsächlich mit allen möglichen Geschenken an, meistens könnten die Männer mein Vater sein. Ich kann das nicht so ernst nehmen. Aber mir tut der Typ dann schon leid, wenn ich das spiele und den hinhalte. Also habe ich ihm gesagt dass das nicht auf Gegenseitigkeit beruht, aber er kommt trotzdem weiterhin. Ich hatte zum Beispiel auch mal jemanden der mich Zuckerschnute und so genannt hat, der hat mich dann auch im Supermarkt angesprochen, mit dem gehe ich nicht mehr aufs Zimmer. Was gefällt dir denn so an diesem Job und was würdest du ändern, wenn du es könntest? Mir gefällt, dass man viele Leute kennen lernt, das Geld natürlich und die Atmosphäre, das ist ja hier schon sehr privat.


Was ich ändern würde, wäre auf jeden Fall die Steuer. Weil ich finde es schon echt dreist, dass ich Steuern zahlen muss. Ich muss zehn Euro pro Tag bezahlen und bekomme dafür nichts. Es ist einfach so, dass du schon so überhaupt nicht anerkannt bist in dieser Gesellschaft. Und du wirst ja auch nicht irgendwie vom Arbeitsamt weitervermittelt oder so, wenn du da hingehst und sagst: Hey hier ich bin arbeitslos. Deswegen finde ich das ist Abzocke. Ich hab da meinen Künstlernamen angegeben. Wenn ich jetzt meinen richtigen Namen angeben würde, dann kann das sein, dass die zu dir kommen und mit dir 'ne Abrechnung machen und du dann übelst nachbezahlen musst, wenn die meinen du würdest aber mehr verdienen. Das finde ich nicht korrekt. Und dass die Preise in den letzten Jahren so runter gedrückt wurden, von den ganzen osteuropäischen, mafiösen Strukturen sag ich mal. Das werde ich nicht mit machen, das sag ich auch jedes Mal wenn das irgendwie vorgeschlagen wird. Dann bin ich weg .Das mach ich nicht. Wie kommt das, dass die Preise so gefallen sind? Ja, zum Beispiel die Bulgaren machen halt alles für dreißig Euro oder so. Oder sagen vorher: Hier, bezahl fünfzig, kriegst aber alles auf dem Zimmer. Die denken dann, die Masse macht's. Aber so möchte ich nicht arbeiten, dann kann ich mich auch gleich an die Straße stellen. Wird auch über Zwangsprostitution gesprochen oder hast du mal was davon mitbekommen? Ja, wir hatten hier mal eine, die dann später behauptet hatte, dass sie von ihren Zuhälter gezwungen wurde hier anzuschaffen. Aber meiner Meinung nach, hatte die eh 'nen Sprung in der Schüssel und wollte einige Leute nur in die Pfanne hauen. Ansonsten glaube ich, ist Zwangsprostitution eher so ein Phänomen aus dem Fernsehen, oder eher aus Großstädten. Wo dann tatsächlich die bulgarische Mafia die Mädels hinkarrt. Klar gibt es Mädels, die unter falschem Vorwand nach Deutschland gebracht werden und hier dann arbeiten müssen. Wenn ich mitkriegen würde, das hier jemand wäre, der dazu gezwungen wird, würde ich erst meinem Chef bescheid sagen und wenn der nicht handeln würde, würde ich zur Polizei gehen. Klare Sache. Hast du schon mal schlechte Erfahrung mit einem Freier gehabt? Ich hatte mal einen, der wurde ganz schön grob und wollte mich würgen. Den hab ich dann sofort rausgeschmissen. Manchmal hat man das auch, dass die das nicht akzeptieren wollen was man sagt. Zum Beispiel mit manchen knutsch ich halt nicht, und wenn ich das ein, zwei mal sage und die machen das dann trotzdem, fliegen die halt raus. Oder wenn der Kunde irgendetwas macht, was mir nicht gefällt Die bezahlen ja nicht dafür, dass die Sachen mit mir machen, die mir nicht gefallen. So lass ich mich nicht behandeln, ich stell sofort klar, dass ich die Chefin auf dem Zimmer bin und bestimme was geht und was nicht! Was sagst du zu dem Thema Drogen? Nimmst du selbst welche, zum Beispiel während der Arbeitszeit? Nö. Ich trinke während der Arbeit keinen Alkohol und ich nehme auch keine Drogen.

Aus dem einfachen Grund, weil ich ja dann noch Auto fahren muss. Wir hatten aber viele hier, die Alkies waren oder sind oder Tabletten genommen haben, weil die sonst nicht mit dem Job klar gekommen wären. Ich kiffe vielleicht mal einen in der Freizeit . Welche drei Stichwörter fallen dir ein wenn, du an deinen Job denkst? An Freier, Sex und verrucht. Und welche drei Stichwörter fallen dir ein, wenn du hier an die Provinz denkst? Eigentlich ist es hier schon echt schön, aber auch recht spießig und konservativ. Kannst du das genauer erläutern? Ja, zum Beispiel gab es letztens wieder Zeitungsartikel über das Bordell, ich mein das ist hier sowas von voll bekannt. Es wurde halt veröffentlicht, dass der Vermieter der Vizebürgermeister ist. Aber ich glaube, das war eher eine strategische Sache um dem zu

schaden. Durch die Zeitungsartikel wurden aber nochmal viele hierauf aufmerksam, obwohl der Puff echt stadtbekannt ist. Dadurch sind eigentlich jetzt mehr gekommen, anstatt das weniger gekommen sind. Warum arbeitest du in einem Kleinstadtpuff und nicht in einer größeren Stadt? Ich habe ja im Shop angefangen und da war das ja nicht geplant, dass ich hier arbeite. Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich wahrscheinlich nach Bielefeld gegangen. Aber die meisten kommen ja auch aus den größeren, umliegenden Städten hierher. Ich glaube auch nicht, das die Leute hier aus der Stadt auch hier in den Puff gehen. Was haben die Menschen, hier aus der Region denn für eine Einstellung gegenüber der Prostitution? Öffentlich wird es verleugnet. Eigentlich gibt es keinen der öffentlich sagen würde: Das finde ich gut, dass es solche Frauen gibt.

Weil du kannst ja das typische Argument bringen, wenn es keine Prostituierten geben würde, würde es wahrscheinlich mehr Vergewaltigungen geben. Ansonsten glaube ich, finden das die Männer schon gut. Ich mein, da bist du seit dreißig Jahren mit einer Frau verheiratet, da läuft nix mehr, was willste machen, da kannst du dir entweder 'ne Affäre suchen, oder du machst es halt so und kommst hierhin. Ich glaube, das kein Mann seiner Frau sagt: So Schatz, ich fahr jetzt in den Puff. Also kann man schon sagen, das hier eine Doppelmoral stattfindet? Ja. Vor allen Dingen wenn du Weihnachten in die Kirche gehst und da zehn Leute siehst, dir bei dir schon waren und dort mit ihren Familien sitzen. Mir ist das zum Beispiel passiert, das der Vater von meinem Kumpel bei mir war. Der kommt jetzt nicht mehr. Der hat nicht schlecht geguckt, als er mich bei denen zuhause gesehen hat. Aber natürlich hat er nichts gesagt und sich auch nichts anmerken lassen. Aber du hast auch nicht mit deinem Kumpel darüber gesprochen? Nein, nein. Das läuft hier alles sehr diskret. Schließlich werde ich auch dafür bezahlt. Wer verdient, wie viel an dir? Wenn ich zum Beispiel, hundert Euro verdient habe, bekommt mein Chef fünfzig Euro und zehn Euro sind Steuern. Bleiben vierzig für mich. Und was bekommst du für die fünfzig Euro? Kondome, das Zimmer und eigentlich Werbung im Internet oder in Kontaktmagazinen. Aber ich mach ja keine Werbung mehr, seitdem ich meinem Freund habe. Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus? Ich steh meist nie vor zehn auf, frühstücke und komm dann meist zwischen zwölf und zwei hier vorbei. Schminke mich erstmal , trink 'nen Kaffee, unterhalte mich, entweder kommen dann Gäste, ansonsten mach ich dann was für die Uni. Dann bin ich meist bis neunzehn, einundzwanzig Uhr hier. Aber es kommt immer darauf an, wie ich Bock hab. Wenn ich kein' bock hab es mir nicht gut geht, oder wenn nichts los ist dann geh ich halt.

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»der wollte Pferdedoktor spielen und ich sollte halt das Pferd sein. dabei hat der immer so gesagt: du bist doch so eine geile stute, dich muss man auch mal decken.«

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Wie sind die Abläufe wenn ein Kunde kommt? Die gucken ja meist im Internet, seh'n die Nummer da und rufen dann hier an. Meist macht eine von uns das Telefon und beantwortet die Fragen zum Service, zu den Mädels, wer da ist und wie man am besten hierhin kommt. Es gibt ja zwei Wege: Einmal durch den Sex-Shop oder dann hinten durch die Warenannahme. Ja, dann klingeln die an der Tür, dann macht eine von uns auf, er kommt rein, du stellst dich vor, sagst was zu den Preisen. Dann gibt es meist ein bisschen Smalltalk, der Kunde entscheidet sich für ein Mädel oder zwei und dann gehst du halt mit ihm aufs Zimmer. Dann machst du wofür er bezahlt hat und danach schickst du in dann wieder raus. Ich geh dann duschen, zieh mich wieder an, schmink mich nach, rauch eine, lüfte einmal durch, Raumspray ist da auch sehr wichtig und richte das Bett wieder her. Es soll halt für jeden Gast so aussehen als wenn er der Erste wäre. Hast du das manchmal, dass du ein Kunden hast und der Nächste schon wartet? Ja, das hat man öfter mal. Du kannst drei Stunden keinen haben und dann kommen gleich zwei, drei auf einmal. Und was möchte der Durchschnittsfreier so für einen Service? Normal ist das so: Du hast Oralverkehr, fickst mit denen, die erzählen dann noch ein bisschen was, massierst die ganz normal am Rücken oder was weiß ich und redest dabei mit denen. Worüber redet man da? Och, worüber die Lust haben. Man kann übers Wetter sprechen, über seine Arbeit, über alles. Und wie lange bleiben die so im Schnitt? Normalerweise bist du, so im Schnitt in zwanzig Minuten durch. Wenn die eine Stunde genommen haben, können die auch öfter. Aber die meisten Männer nehmen das so garnicht in Anspruch. Wie gesagt, die wollen dann lieber noch ein bisschen quatschen oder mit dir duschen. Manche geben sich auch echt viel Zeit fürs Vorspiel, da geht schon mal eine halbe Stunde für drauf. Männer lassen sich halt gern einen blasen, die Frau zu Hause hat vielleicht nicht immer Bock denen zwanzig Minuten einen zu Blasen. Aber es gibt auch übelst viele Männer die gerne lecken, die das dann eine Stunde lang machen. Wie ist das dann für dich? Ja, ist dann weniger Arbeit für mich. Du musst denen ja auch vortäuschen, wie toll sie das machen und denen sagen: ”Du warst echt der beste. Es hat mir so richtig viel Spaß mit dir gemacht, ich würde mich echt freuen wenn du wieder kommst.” Voll viele Männer wollen auch wissen, wie sie denn so gebaut sind. Da kann der noch so krumm und komisch sein, du musst den halt trotzdem sagen das der voll geil aussieht. Das gehört halt zu dem Job mit dazu, diese Illusion aufrecht zu erhalten. Obwohl ich glaube, wenn die draußen sind und halt abgespritzt haben, dann werden sie sich auch ihren Teil denken, schätze ich doch mal. Ansonsten hast du hier auch schon ein paar Durchgeknallte. Was meinst du damit? Ich musste mal ein Pferd spielen. Der wollte Pferdedoktor spielen und ich sollte halt das Pferd sein.

Dabei hat der immer so gesagt: ”Du bist doch so eine geile Stute, dich muss man auch mal decken.” und irgendwie so ein Schwachsinn. Was bietest du überhaupt für Leistungen an? Also ich biete an: Französisch ohne Gummi mit Aufnahme, Französisch beidseitig, Gesichtsbesamung, Körperbesamung, Sex mit Stellungswechsel, Dildo- und Fingerspiele, Schmusen, Kuscheln, Streicheln, Zungenküsse, erotische Massagen, Analverkehr, Natursekt aktiv, Rollenspiele, leichte Erziehung, usw. Was ist denn eine leichte Erziehung? Wenn du jemanden halt erziehst, mit der Peitsche, mit Tritten, mit Schlägen, oder mit dominanter Redensweise. So was halt. Und wird sowas oft verlangt? Nee, nicht so. Aber wir haben da schon ein paar, so die ab dreißig aufwärts, die du zum Beispiel dazu erziehen sollst, dass sie Frauenwäsche tragen. Wie ist das dann für dich? Du denkst dir schon dabei: Wenn das jetzt deine Freunde sehen könnten. Aber du musst dich da schon zusammenreißen, du kannst die ja nicht auslachen. Du musst da schon mitspielen und wenn dir das zu bekloppt ist, dann solltest du das schon vorher sagen. Wobei ich eher Probleme damit habe, ein kleines Mädchen zu spielen. Da bin ich echt in so einem moralischen Zwiespalt. Ich denk dann: Wenn ich es nicht mache, dann macht der das vielleicht bei einem echten kleinen Mädchen. Was war denn das absurdeste, was du bis jetzt machen solltest? Ja, ich sollte einem Kunden Kekse vorkauen und ihm dann in den Mund spucken. Der wollte auch nur das. Der hat eine Stunde mit Rollenspiel bezahlt, also zweihundert Euro, dafür, dass er meine durchgekauten Kekse essen konnte. Da denkst du auch noch mal nach Feierabend dran, weil es nicht normal ist, dass sowas vorkommt. Und was ist dir positiv in Erinnerung? Ich habe mal an einem Tag so viel Geld verdient, dass ich mir gleich einen Urlaub davon buchen konnte.


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»D a s i s t w i e m Auto, wenn

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ist, dann läuf 56

Interview mit einem Freier Der Kunde möchte nicht erkannt werden, aber nennen wir ihn einfach mal Uwe. Auch Uwe kommt aus der Region und ist Stammgast bei Trixi. Er hat sich in Trixi verliebt und hatte ihr letztens auch ein Heiratsantrag gestellt, den Trixi verneinte. Die Interviewbedingungen waren, sagen wir mal, gemütlich. Es fand bei Teelichtatmosphäre in Trixis Zimmer statt - eher gesagt auf Trixis Bett. Zwischen mir und Trixi lag Uwe, der es sich auf dem Bett bequem gemacht hatte, sich aber noch nicht, wie Trixi, ausgezogen hatte. Während des Interviews glitt Uwes Hand leicht verschüchtert auf Trixis Oberschenkel auf und ab.

Wie alt bist du? 51. Was machst du beruflich? Bandarbeit im Akkord, hier in einer Küchenfabrik. Hast du eine Familie, Frau oder Freundin? Nein. Seit wann und wie oft besuchst du dieses Etablissment? Ja sprich ruhig Deutsch. Äh, wie lang ist das hier schon. Ungefähr seit eineinhalb Jahren und ungefähr zwei bis drei Mal die Woche, kommt drauf an. Wann warst du das erste Mal bei einer Prostituierten? Letztes Jahr. War das eine Überwindung für dich, warst du aufgeregt? Ich sag mal, ich wollte es mal ausprobieren und wenn ich irgendwas ausprobieren will, dann mach ich das sofort und muss nicht lang überlegen. Ja. Wenn ich was will, dann will ich das! Und aufgeregt bin ich immer, egal wo ich sonst hingehe. Warum kommst du ausgerechnet hierher? Trixi! Vermisst du das Gefühl von Zuneigung bzw. von Intimität oder was bringt dich in ein solches Etablissement? Jaha, wenn du alleine zuhause bist, vermisst du das. Weiß deine Familie, dass du zu einer Prostituierten gehst? Nee, weiß kein Mensch. Das soll auch keiner wissen!


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Warum? ...weil dann sonst so'n bisschen geredet wird. Und was würden die dann sagen? Weiß nicht, dies und das halt. Genießt du die Zeit hier? Ja! Was denkst du über das Preis- Leistungverhältnis? Ja ist okey. Kannst du nachvollziehen, warum Menschen sich prostituieren? Nun, wenn man studiert oder was, muss man irgendwie an Geld kommen. So seh ich das. Hab ich das so richtig gesagt? Du sollst das sagen was du denkst! Ach du Scheiße, wenn ich das immer sagen würde was ich denke, wäre ich schon mit einem Bein im Knast. Mit was für einem Gedanken kommst du hierher? Ich suche Abwechslung vom Alltag. Kommst du hierher weil du nur purem Sex möchtest oder suchst du Nähe und Geborgenheit? Eher das zweite. Sex zwar auch 'n bisschen, aber das zweite auch mit. Wonach entscheidest du dich bei der Wahl der Prostituierten? Aussehen, Qualität oder Dienstleistung? Ja, alle drei. Warum gehst du in ein Bordell? Warum bestellst du dir z.B. kein Call-Girl?

Weil das auffallen würde. Ich hoffe du sagst nichts! Nein. Weiß denn jemand von deinen Bordellbesuchen? Erzählst du deinen Bekannten oder Freunden von den besuchen? Nee nee. Um Gottes Willen. Keinem Menschen. Ich tarne das ein bisschen. Aha. Hast du also zwei Identitäten? Och, das will so jetzt nich sagen, aber dieses weiß keiner! Wäre es okay für dich, wenn deine Partnerin sich prostituieren würde? Jaein. Sagen wir es mal so. Würdest du Sex ohne Verhütung verlangen? Ich glaube nein. Hast du schon einmal schlechte Erfahrungen mit einer Prostituierten gemacht? Jau, da war eine, die wollte Geld unter der Hand. Die wollte noch zusätzlich Kohle, für nich getane Arbeit, sagen wir mal so. Die war so 'n bisschen falsch. Was meinst du damit, falsch? Insgesamt, vom Charakter und so. Dadurch, dass sie nicht ehrlich war, hab ich ihr gesagt, dass sie mich mal kann. Mir geht es um Ehrlichkeit! Warum hast du keine One-Night-Stands? Nee. Gehst du aus, in Diskotheken oder Kneipen? Nein, auch das nicht. Das ich nicht mein ding. Gehst du immer zu der selben Prostituierten oder gehst du auch zu einer anderen? Äh, nur wenn es unbedingt sein muss.

Wenn meine Lieblings-Frau nicht da ist, geh ich zu einer anderen. Was bevorzugst du? Jung, alt, dick, dünn, blond oder brünett? Der Charakter spielt'ne wichtige Rolle bei mir. Also du gehst da erstmal mehrmals zu ein- und derselben Prostituierten um sie kennenzulernen? Das ist wie mit 'nem neuen Auto, wenn es eingefahren ist, dann läuft das. Welche Dienstleistungen nimmst du in Anspruch? Was meinst du damit? Zum Beispiel normalen Verkehr oder eher Rollenspiele, Sado-Maso. Also möchtest du gern geschlagen werden? Neehe, also so weit kommt es nicht! Das ist nicht mein Ding. Mir geht es ja nicht rein um den Sex, ich möchte mich hier auch nett unterhalten. Hättest du gern eine Beziehung oder eine Frau? Wenn es sich ergibt, ja. Es muss aber was vernünftiges sein! (Tätschelt dabei auf Trixis Oberschenkel) Nimmst du Drogen? Nee, um Gottes Willen! Vielleicht Alkohol, bevor du hierher kommst? Nein, das hat ja auch kein' Zweck. Wie kommst du hierhin? Zu Fuß. Ich wohne hier gleich, mehr oder weniger, um die Ecke. Nicht unbedingt immer, aber meistens. Das fällt am wenigsten auf.


PuFF aneK d oTe n

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PuFFGesCHiCHTen veRTRauliCH – dJanGo eRZäHlT aus dem näHKäsTCHen Der Betreiber ist jetzt schon seit über 15 Jahren in diesem Geschäft tätig und ist somit ein alter Hase in der Erotikbranche. Bei einem unterhaltsamen und interessanten Gespräch erzählte Django, wie er genannt wird, Anekdoten und Geschichten aus dem Puffalltag.

ZuR PeRson Django wurde Mitte der fünfziger Jahre in OstWestfalen geboren und ist in einem konservativen Haushalt aufgewachsen. Nach der Schule machte er eine Lehre als KFZ-Mechaniker. In der Werkstatt konnte er den Schraubenschlüssel schneller ziehen, als der berühmte Westernheld seinen Colt. Daher der Spitzname Django, den er bis heute nicht los wurde. Im Anschluss an seine Werkstattkarriere arbeitete Django als LKW-Fahrer in einer Straßenbaufirma. Ein Zubrot verdiente er sich mit einer Top 40 Band. Dann beschloss er, sich selbständig zu machen. Mitte der neunziger Jahre eröffnete er einen Sex Shop. Er selbst nannte es Erotik-Fachgeschäft, um alte Klischees abzuschütteln. In einer Zeit, in der die Branche boomte und es noch teure Pornoproduktionen gab, die pro VHSKassette für nicht unter 500 Mark über den Tresen gingen, lief das Geschäft gut. Er eröffnete eine zweite Filiale. Doch dann kamen die DVDs und das Internet. Durch Downloads und DVD-Brenner waren Pornos nun fast frei verfügbar. Die Geschäfte begannen schlechter zu laufen. Django musste die neue Filiale wieder schließen. Eine neue Idee musste her. Durch die Nutzung neuer Kabinen und eines Kinos im Geschäft erhoffte sich Django Aufwind. Zum neuen Konzept gehörte auch der Umbau des Warenlagers in der anliegenden Wohnung, die an Prostituierte vermietet werden kann. Das Konzept ging auf. Aufgegeilt durch das Sortiment im Geschäft,

konnten die Männer nun sogar noch einen Schritt weiter gehen. Um ihnen die Entscheidung etwas leichter zu machen, liefen die Prostituierten leicht bekleidet durch den Laden und machten den Kunden klare Avancen. Auch den neugierigen Blicken von Passanten konnten sich die Kunden so entziehen – schließlich konnten sie direkt vom Laden in die Wohnung gehen. Sollten sie doch mal gesehen werden, konnten sie immer auf die Videothek verweisen. Diese genießt zwar auch einen zweifelhaften Ruf, ist aber immer noch besser als in flagranti bei einem Puffbesuch gesehen zu werden. Dank des neuen Konzepts, konnte Django expandieren: Kurze Zeit später unterhielt er einen großen Swinger Club. Zusätzlich vermietete er ein paar Wohnungen an Prostituierte. Das Geschäft lief gut, bis Behörden ihm einen Strich durch die Rechnung machten. Nach langen Querelen musste er sie wieder schließen und versuchte sich wieder, auf das Kerngeschäft zu besinnen. Doch auch die Nachfrage im Shop ging zurück. Sexartikel wurden salonfähig und waren plötzlich fast überall zu haben. Hinzu kam, dass sich das Internet rasend schnell weiter entwickelte. Heute verfügt fast jeder Haushalt über eine schnelle Internetverbindung, sodass niemand mehr seine Wohnung verlassen muss, um einen Porno zu schauen. Man kann sagen, dass diese Entwicklung den kleinen Sex-Shops den Todesstoß versetzte. Django war gezwungen, sich fast ausschließlich auf das horizontale Gewerbe zu konzentrieren.


Puff-Impressionen 1

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PRoFessionelle Manche Frauen sind echt schräg drauf. Da gab's mal eine Prostituierte, die erstmal, wie ich schnell herausgefunden habe, bei jedem Kunden nachgekobert hat. Sie hat heimlich Aufpreise fürs Ohne-GummiFicken verlangt. Rausschmeißen konnte ich sie zu diesem Zeitpunkt nicht, wir waren beide finanziell aufeinander angewiesen. Also warben wir damit, dass sie ohne Gummi bumst. Danach haben ihr die Freier die Bude eingerannt und sie hat somit mehr Geld verdient als je zuvor. Und mit der Heimlichtuerei war's auch vorbei. Die war eh ein bisschen meschugge. Der war das auch alles egal mit Spermaschlucken. Völlig schmerzbefreit hat sie mal von einer Kollegin übernommen, als sie eigentlich gerade Mittag gemacht hat. Sie hat dem Typen einen geblasen, alles geschluckt und ist dann wieder zurück zum Tisch und hat weiter gegessen. Die war auch nie krank. Nur ständig schwanger. Sie selbst hat behauptet, sie hätte 25 Abtreibungen hinter sich. Spirale kam aber nicht in Frage. Zu teuer. Wahnsinn, das muss man sich mal vorstellen. Dann hatten wir mal eine tierisch dicke. Die hat nichts gerissen, nur wie ein Wasserfall gelabert. Sie hatte auch nur einen Stammgast. Einen alten Opa, der jeden Tag kam. Dem hat sie dann alles abgeluchst. Von der Waschmaschine über Kleidung bis hin zum Schmuck.

Dann hatte sie einmal einen anderen Kunden. Unter dem ist sie dann einfach eingepennt ist. Ihn hat das scheinbar auch nicht wirklich gestört: Er hat noch abgespritzt, sich sauber gemacht und leise angezogen. Beim Gehen sagte er noch, wir sollten sie mal schlafen lassen. Eine andere war im achten Monat schwanger. Sie wollte, dass wir damit werben: Faustfick mit einer Hochschwangeren. Bei der konnten Kunden eine Sektflasche unten reinschieben. Aber nicht mit dem Flaschenhals, sondern mit dem Boden zuerst. Der Mann von ihr oder der Vater des Kindes oder wer das war, wollte immer zeigen, dass er beide Fäuste auf einmal in sie stecken konnte. Und ständig hat er davon geredet, dass er gerne mal seinen ganzen Kopf in ihre Muschi stecken wollte. Na ja, es gibt ja viele Magazine und Videos mit Sex mit Schwangeren, aber selbst mal mit einer Schwangeren zu schlafen, ist dann für viele ein Highlight.


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Eine Geschichte hab ich noch von einer, die wirklich völlig durchgeknallt war. Die hat alles mit sich machen lassen. Nur die ganz harten Sachen: Nadeln durch die Brustwarzen stechen lassen, anspucken oder ins Gesicht schlagen hat sie sich lassen. Sie hat mir erzählt, dass sie von Ihren Eltern nur Schläge bekommen hat und im Laufe der Jahre resistent geworden ist. Es macht ihr nicht aus, hat sie gesagt. Natürlich war da ernsthaft was durcheinander geraten, ein psychischer Knacks. Mit normalem Sex konnte die überhaupt nichts mehr anfangen. Sie meinte, sie wollte und bräuchte das so. Etwas, was viele Frauen immer mal wieder benutzten, war eine lange Spitzzange. Die brauchten sie, um irgendwelche Sachen aus der Muschi herauszuholen, die darin verloren gegangen waren. So sparten sie den Gang zum Frauenarzt. Wenn zum Beispiel Softtampons oder Kondome verschwanden, dann saß da immer eine mit der Taschenlampe und die andere wühlte in ihr herum. Teilweise hat man auch mit richtigen Dramen und Schicksalen zu tun. Das ist aber, Gott sei Dank nicht die Regel. Eine Bulgarin, die mal hier war, nahm irgendwann sogar Schore. Mit ihrer Sucht ging das dann soweit, dass sie vom Kunden runter sprang, wenn der Dealer kam. Als sie ihren Stoff hatte, ist sie zurück zu ihrem Freier und hat einfach weitergemacht. Natürlich hat sie das alles heimlich gemacht bis dann eines Tages die Bombe geplatzt ist.

Uns blieb nichts anderes übrig, als sie rauszuschmeißen. Später haben wir rausgefunden, dass sich ihr Dealer ein blitzblankes, neues Auto gekauft hat. Und das alleine von ihrem Geld. Sind solche Frauen dann wieder weg, verdrängt man das ganz schnell und konzentriert sich schnell wieder aufs Tagesgeschäft. Viele Frauen kriegen aber auch die Kurve. Hoffe ich zumindest. Gerade die Osteuropäerinnen arbeiten ja nur für ihre Familien. Wenn sie genug Geld verdient haben, sind die weg und man hört nie wieder was von ihnen. Es sei denn, sie brauchen wieder Geld. Dann kommt es schon mal vor, dass die hier wieder anfragen. Da hab ich noch ein tragisches Beispiel: Ich hatte mal eine Tschechin, die wollte sich zu Hause mit einem Friseursalon selbständig machen. Das tat sie dann auch und es lief ganz gut. Bis sie einen zweiten Salon eröffnete. Irgendwie ist sie dann an die Mafia geraten. Es kam eins zum anderen, am Ende schuldete sie den falschen Leuten Geld. Daraufhin kam sie wieder zurück und verdiente nochmals in kurzer Zeit richtig Kohle, mit der sie dann ihre Schulden begleichen konnte. Sie ging zurück und ich hab nichts mehr von ihr gehört. Ich habe mir abgeschminkt, mir da weiter Gedanken zu machen. Ich muss einfach eine gewisse Distanz bewahren. Auch wenn das hier ein sehr enger, ja fast schon intimer Kontakt ist, am Ende ist es trotzdem nur ein Geschäft. Wenn sie weg ist, ist sie weg. So ist das.


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Kunden Ansonsten hast du sie hier alle: Rechtsanwälte, Banker, Unternehmer, Polizisten, Sozialhilfeempfänger. Vom 18-jährigen Bengel bis zum Scheintoten. Die ganze Bandbreite. Ein Banker kam oft in der Mittagspause kurz vorbei, der war ständig am Rauchen. Die Mädels nannten ihn nur den Raucher. Sogar beim Ficken hat er weiter geraucht, danach ist er dann wieder in die Bank. Wenn das Blut aus dem Hirn erstmal im Schwanz ist, sind die meisten Freier komplett unzurechnungsfähig. Na ja, und wenn die Ehefrau am Arbeiterstichtag, so nennen wir das, keinen Bock hat, kommen sie halt zu uns. Manchmal ahnen die dann was und rufen hier an, wollen wissen, ob ihr Mann da ist. Gut auch die Geschichte von dem Stammgast, der nur Natursekt wollte. Immer von derselben Prostituierten. Einen Tag vorher rief er immer an und verlangte, dass sie bis zum nächsten Tag immer nur ein Getränk trinken sollte. Sein Fetisch bestand darin, sich anpinkeln zu lassen und heraus zu schmecken was sie getrunken hatte. Oder es gab so kranke Typen, für die mussten die Mädels gebrauchte Kondome von anderen Kunden sammeln. Den Inhalt sollten sie dann auf ihren Körpern verteilen, damit sie das dann ablecken konnten. Sachen gibt's, die gibt's gar nicht. Einer rief sogar immer vorher an. Er wollte dann wissen, ob ein bestimmtes Mädel gerade einen Kunden hat, mit dem sie ohne Gummi geschlafen hat. Wenn ja,

kam er angefahren und steckte sein Ding in die Soße seines Vorgängers. Schlammschieben nannten wir das. Und wenn er sich verspätete, hing das arme Ding voll mit Sperma auf dem Bett und hat gewartet.

Normal macht man 50:50. Dafür übernehme ich das Risiko, stell die Räumlichkeiten zu Verfügung, hab' Ärger am Kopf, mache die Werbung und gebe Kondome. Ich sorge also dafür, dass sie Geld verdienen kann. Die Frauen sind dann im Grunde normale Arbeitnehmerinnen. Platt gesagt, kann man sich das vorstellen wie in einer Autowerkstatt. Da bezahlt der Kunde auch 50 Euro oder mehr die Stunde. Aber der Monteur, der die Arbeit macht, bekommt auch seine 12,50. Er kann sich natürlich auch selbstständig machen und selbst den Preis bestimmen. Der wird natürlich kleiner sein als in seiner alten Werkstatt. Der Preisverfall beginnt – und so ist das hier auch.

Manche haben schon schräge Perversionen. Aber wie gesagt, ich wunder mich nicht mehr. Nur eine Sache find ich wichtig: Wenn's nach mir ginge, dann sollten die Mädels alles mit Gummi machen. Das Problem ist nur, dass sie es heimlich auf dem Zimmer ohne machen. Gibt halt mehr Geld. Aber gut, ich weiß, mit Ethik brauch ich in diesem Job sowieso keinem mehr kommen. Die Zeiten sind vorbei. Wenn man damit viele Jahre im Geschäft ist, packt man sich irgendwann nur noch an den Kopf und sagt sich, dass man mit dem ganzen Scheiß lie- Oft haben die Frauen aber keine Ahnung vom Geschäft. Plötzlich müssen sie sich mit Dingen auseinber nichts mehr zu tun haben will. ander setzen, mit denen sie vorher nichts zu tun hatEine lustige Anekdote ist die mit dem Chihuahua. ten. Am Ende müssen sie ihre Kosten decken und Eines der Mädels hatte so einen Nuttenhund. Der da geht's dann meistens schief. Sie gehen dann imhat ihrem Kunden die Unterhose und einen Socken mer weiter mit ihren Preisen runter, um die Kunden geklaut. Die Sachen fanden sich einfach nicht wie- zu halten. Das spricht sich rum, auch unter Freiern. der. Dem Kunden blieb nichts anderes übrig, als Andere müssen auch alles günstiger anbieten, um unten ohne nach Hause zu fahren. Standard ist die im Geschäft zu bleiben. Und so geht's immer weiter vergessene Uhr. Die Kunden sind ja meist ein wenig abwärts. Leider zieht es die Masse immer dorthin, durch den Wind. Dann vergisst man so was mal. wo es am billigsten ist. Eine Frau, die ihren Beruf Zuhause kann das natürlich schnell mal peinlich vernünftig ausübt und ihren Preis dafür verlangt, werden. hat es heute ganz schwer. Die meisten wollen halt immer nur billig. Und das Kuriose ist noch, dass es auch noch Frauen gibt, die guten Service für wenig PReisveRFall Die Preise gehen seit Jahren runter. Das liegt daran, Geld anbieten. Dadurch haben andere dann noch weil die meisten Frauen nichts mehr abgeben wollen. weniger Chancen, anständiges Geld zu verdienen.


62 naCHWoRT “Une erection ne se discuter pas”, eine Erektion kann man nicht wegdiskutieren, stellte der französische Schriftsteller Jean Cocteau einst fest. Einfacher und treffender ist die (männliche) Sexualität wohl nicht zu beschreiben. Auch schafft es dieser Satz, mit geradezu spielerischer Leichtigkeit, Jahrtausende der Prostitution zu erklären.

Die kleinen Aufreger finden sich überall in den Zwischenräumen unserer Gesellschaft: In so genannten Modellwohnungen in den großen Städten, auf Straßenstrichs in Industriegebieten und in Randbezirken oder eben in niedlichen Häusern mit vernagelten Fenstern auf dem platten Land.

Die Erektion ist da – in allen Epochen mussten die Menschen sich ihr stellen. Sie trieb die alten Griechen um genauso, wie ihre römischen Nachfolger. Sie hielt Generationen von chinesischen Kaisern in Atem und es heißt, die Kurtisanen des japanischen Mittelalters waren wahre Meisterinnen im Umgang mit ihr. Ganz im Gegensatz zur katholischen Kirche. Sie wusste nicht so recht, was sie mit ihr anfangen sollte und so kamen ihr bald Ächtung und Verdammnis in den Sinn. Der Umgang mit der Erektion wurde zusehends schwieriger, als inakzeptabel wurde sie gebrandmarkt, als Sünder die jenigen, die sich ihr außerhalb der heiligen Ehe hingaben.

Aus natürlicher Zweckmäßigkeit schafft es die Erektion also immer wieder, sich in unser Bewusstsein zu drängen. Die Prostitution ist ihr Ventil. Das mag einigen sauer aufstoßen und vielfach moralinsaures Naserümpfen auslösen, an der Erektion ändert das allerdings nichts. Sie wird weiter unseren Alltag mitbestimmen und wird weiterhin dafür sorgen, dass es Nachtclubs, Nacktbars, Etablissements, Laufhäuser und Puffs gibt. In Rio de Janeiro genauso wie in Bangkok, in New York genauso wie in Sydney, in WanneEickel oder in der Provinz.

Aber die Erektion ist mächtig. Sie lässt sich nicht so einfach vertreiben. So sehr wir es auch versuchen, so hart wir auch gegen sie vorgehen, bleibt sie doch allgegenwärtig, ja geradezu penetrant. Immer wieder schafft sie es, sich in unser Bewusstsein zu drängen. Meist kommt sie dann in Form von Skandalen daher, die dann in der Öffentlichkeit lustvoll aufgearbeitet und regelrecht zelebriert werden. Die Beispiele der jüngsten Vergangenheit sind uns noch in lebhafter Erinnerung: Bunga Bunga mit Berlusconi, Strauss-Kahn, amerikanische Präsidentschaftskandidaten, Charlie Sheen, Ergo-Versicherung, Julian Assange – und dies ist nur ein Auszug, die im Zeichen der Erektion stehen.


63 imPRessum TexT Jan Kamann, Marcel Felix Kr端ger layouT Marcel Felix Kr端ger FoTos Marcel Felix Kr端ger auFlaGe 1 Exemplar Diese Arbeit ist im Rahmen einer Bachelorarbeit entstanden, die Frau Prof. Dr. M.Diener und Herr Prof. Sch旦nholz begleitet haben. Hamburg, 2011


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Escort Provinzial  

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