Page 56

56

fashion

Richtung entwickelt, die von hippiesken Patchworks und Tribal-Motiven über Steampunk bis zu fluoreszierenden OMs ein riesiges Spektrum aufweist. Was früher nur auf Partys getragen wurde, ist heute dabei, in die Haute Couture auf den Laufstegen von Paris und Mailand vorzustossen. Immerhin haben die kreativen Psy-Modeschöpfer völlig neue Ideen, Materialien und Muster entwickelt, die es vorher einfach noch nicht gab. Die psychedelische Goa-Mode ist ein weites Spektrum von Kleidern aus unterschiedlichen Materialien angefangen bei biologischer Baumwolle oder südamerikanischer Wolle bis hin zu supermodernen Fasern, die sich wie eine zweite Haut anfühlen. Die Materialien sollen auch praktisch, angenehm zu tragen und leicht waschbar sein. Viele Taschen für die Party-Utensilien, abzippbare Ärmel und Hosenbeine für die verschiedenen Tageszeiten sind besonders beliebt. Wenn am Morgen auf dem Dancefloor die Sonne aufgeht, die Hitze zunimmt und der Morning-Trance die Tränen in die Augen treibt, ist keine Zeit, um ins Zelt zu gehen und sich umzuziehen – dann muss man einfach weitertanzen. Die Designs der Kleider sind oft in Übereinstimmung mit den Backdrops und der Dekoration oder den Visuals. Psytrance-Klamotten zu tragen heisst nicht nur seine Persönlichkeit auszudrücken, sondern auch die anderen Fraggles als lebende und sich bewegende Dekoration zu beglücken – Farbe, Liebe, Licht und Freude zu vermitteln. Farben und Muster bringen immerhin auch auf dem Dancefloor gute Flashes und sie verstärken die Effekte von psychoaktiven

Substanzen wie MDMA und LSD, wenn man sie betrachtet oder berührt. Und außerdem kann man dann gleich den Menschen kennenlernen, der das Kunstwerk trägt. Die Trancewear einheitlich zu beschreiben, geht nicht – sie kann dunkel, elfisch, alternativ-natürlich, indisch sein oder bis zum flashigen Cyber-Stil reichen. Bilder und Motive sind stark beeinflusst von fraktaler Kunst, asiatischen Kulturen, Aliens und kosmischen Erscheinungen, natürlichen und chemischen Drogenformeln, Tieren, Zwergen, Pilzen und anderen magischen Pflanzen. Irgendwie gibt es da zwei Lager: Den einen kann es nicht bunt, flashig, komplex und fluoreszierend genug sein. Die anderen bevorzugen lieber dezentere Farben und simple Motive. Manche wollen überhaupt nur in Schwarz auf den Dancefloor – aber nicht ohne den Silber-Ganesha, der den kleinen, aber feinen Unterschied zur Gothic-Szene ausmacht. Sich im Goa-Stil anzuziehen, zeigt jedenfalls ein großes Freiheits- und Identifikationsbedürfnis – egal ob jemand im Fluoro-FraktalTangaslip oder im Plüschmantel mit Spock-Ohren am Dancefloor steht, nicht zu vergessen die sexy zerschnittenen T-Shirts, die den Blick auf Tattoos und Piercings freigeben. Katarina Bartovicova

LIKE US AT FACEBOOK: www.facebook.com/mushroommagazine

mushroom magazine May/June 2012  
mushroom magazine May/June 2012  

global psytrance guide