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MARLOWSKI ERMITTELT

Ochsenblut Episode ll – »Eure wunden Seelen brauchen Gin«

Ein Krimi von Hendrik Neubauer

Was bisher geschah: Der Storch, der insolvente Baulöwe Adebar, verschwindet mit der Yacht seines Freundes Max Schildknecht über die Ostsee. Er wurde zuletzt mit einer Rothaarigen gesehen. Die Rote – seine Entführerin? Fest steht: Seine reiche Mutter wird erpresst und zahlt keinen Cent. Kann Marlowski sie umstimmen? Dafür tobt Schildknecht. Hatte er den Detektiv nicht beauftragt, seine Yacht »Man Ray« zu suchen?

W

as für eine geizige alte Kröte. Könnte ich nur Madame Adebar die Verbitterung aus ihren Falten schlagen. Meine Hände krampfen sich um das Lenkrad. Fahre auf dem Ostring. Eine rote Ampel. Neben mir eine dicke Limousine. Wie ich verdunkelte Scheiben hasse. Die Seitenscheibe geht runter, eine rote Mähne leuchtet zu mir rüber. Ach du grüne Neune. Vollgas. Kreischende Reifen. Hänge ich die Rote ab? Das bleibt ein frommer Wunsch. Bei Dunkelorange rase ich über die Kreuzung am Werftpark. Keine Chance. Also gut, auf der Höhe der Preetzer bringe ich den Käfer abrupt in den Kriechgang, biege ab. Die Limo schießt weiter geradeaus. Ich atme durch. Was das wohl eben sollte? Minuten später bugsiere ich meine Karre auf meinen Stammplatz im CasinoParkhaus, steige aus. Da schießt aus dem Halbdunkel die schwarze Limo, bremst ein paar Zentimeter vor mir. Die Fahrertür schwingt auf. Rote Mähne, Sonnenbrille, schwarzes Kostüm. Schon blicke ich in den

Die Charaktere des Krimis könnt ihr auf www.marlowski-magazin.de nachlesen. Bleibt am Ball!

Lauf eines Revolvers. Der Revolver blickt mich an. So'n abgeschrabbeltes Ding. Die Hand der Roten zittert geschäftstüchtig. Mit der anderen hält sie mir eine Karte entgegen. Ja Lady, ich bin artig, schaue auf das Foto. Der Storch hockt in einem Kellerloch, vor seiner Brust pappt ein Schild. »Seit 10 Tagen Gefangener.« Bring mir das Ding zurück.« Der Tisch ist komplett. Geht los, im Ärmel 'nen ›Full House‹, dank dir für den Auftrag, Max. »Ja, und?« Die Rote bedeutet mit der Knarre, ich möge die Karte drehen. Seine Handschrift. Ein Hilferuf an seine Mutter. Ihr Geld sei doch auch sein Geld, er habe ihr doch sein privates Vermögen nach seiner Firmenpleite überschrieben. »Ja, und. Warum zeigen Sie das nicht Madame Adebar? Mich interessiert nur die Yacht.« »Ach, ich war vor Ihnen bei der Adebar. Wir wissen beide, sie will nicht zahlen. Machen wir es kurz. Sie wollen Ihrem Freund helfen und ich weiß, wo die Yacht ist. Lassen Sie uns kooperieren!« Die Rote lässt die Zähne blitzen, steckt die Waffe ein. »Was sollte das Rennen? Und diese Knarre? Was für eine Show, schöne Frau.« Ich schüttle den Kopf. Sie reicht mir die Hand. »Alle Dinge, die ich tue, die tue ich mit Nachdruck. Angst verschafft Respekt, mein Lieber.« »Deal. Ich versuche die Kröte zu überzeugen und Sie verraten mir den Liegeplatz der ›Man Ray‹!« Die Karte verschwindet in einer meiner Taschen. »Ich komme auf Sie zu, versprochen.« Die Autotür schlägt zu.

Puuuh, was für ein Weib. Im Casino wartet Bella auf mich. Ich betrete den Saal und lege einen 5er auf die 13. Max sitzt schon in der Südkurve der Bar. »Du sitzt auf meinem Platz.« »Detektiv, halt die Klappe, du sollst die ›Man Ray‹ finden.« »Entspannt euch.« Bella schürzt die Lippen. »Hier, meine neue Rezeptur für den Marlowski. Eure wunden Seelen brauchen Gin.« Wir beide nippen, wir nicken. Bella freut sich. Ich linse raus, es dämmert. An der Bar kommt Leben auf, die Satelliten unter der Saaldecke leuchten. Die 13 fällt, der Bildschirm zeigt es an. Das geht an die Bank. Ich halte Max das Foto vom Kellerstorch vor die Nase. Max guckt scheel. »Das ist doch Kinderkacke.« Ich zucke mit den Achseln. Max liest den Hilferuf des Storchen. »Dem geht es doch nur um sich selbst«, explodiert Max. »Der zittert um sein verschissenes Leben. Was ist mit meiner Yacht?« Er überlegt kurz, schaut mir tief in die Augen. »Sag mal, woher hast du eigentlich diese Karte?«

Leserfrage: Wie soll Marlowski darauf antworten? A »Die war in der Post.« oder B »Die Rote hat mich abgepasst.« Schickt uns eine Mail mit entsprechendem Buchstaben an redaktion@marlowski-magazin.de. Unter allen Einsendern verlosen wir ein Exemplar des Küstenkrimis »Strand ohne Wiederkehr«.

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marlowski März 2017  

Die 68. Ausgabe des besten Stadtmagazins von Welt.

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