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„Wir werden in diesem Land auch verurteilt aufgrund des schlechten Benehmens einzelner Leute mit Migrationshintergrund.“ kischen Abstammung werde ich von Jugendlichen mit Migrationshintergrund von vornherein eher respektiert, das ist einfach so. Diesen Respekt bringen die Kids einem Deutschen oft nicht entgegen – und das ist nicht in Ordnung! Diskriminierung gibt es in beide Richtungen.“ Aus Überzeugung setzt sie für das Projekt auf die Kombination aus einem Trainer mit Migrationshintergrund und einem deutschen Trainer. Die „Verkehrssprache“ beim Training ist ohnehin grundsätzlich Deutsch: „Das mache ich zur Pflicht, damit jeder genau versteht, was der andere sagt.“ Weil sie seit vielen Jahren in Ehrenfeld lebt und mit offenen Augen durch die Straßen geht, sieht sie auch dort erhöhten Bedarf für Projekte wie das Mitternachtsboxen. „Hier lungern viele Kids

abends einfach nur rum. Viele sind zu dick oder zu dünn und bewegen sich schlecht. Außerdem haben wir hier einen sehr hohen Anteil an Jugendlichen mit unterschiedlichsten Migrationshintergründen. Die müssen lernen, sich in einem fremden Land den Gegebenheiten gewaltfrei anzupassen und auch untereinander klarzukommen. Ich sage den Jungs klipp und klar: Man muss das Anderssein respektieren, das gilt aber für alle Seiten – für die ausländischen Jugendlichen genauso wie für die deutschen. Die meisten wissen das eigentlich selbst, aber man muss es ihnen noch mal deutlich machen. Da könnte man viel erreichen, wenn die Zeit und das Geld und die richtigen Leute zur Verfügung stünden.“ Dass dieses Engagement sich lohnt, zeigt sich für Serna Caner in Rondorf jede Woche aufs Neue: „Wenn ich zur Halle komme und die Kids warten schon, dann weiß ich, ich mache was richtig.“ Und was erhofft sie sich langfristig? „Auf Dauer muss solche Arbeit öffentlich viel stärker wahrgenommen und gefördert werden. Das sind wir diesen jungen Leuten schuldig.“

„Wir haben viele deutsche Kinder, aber auch tunesische, jugoslawische, afrikanische und auch viele Zigeuner – darf man das noch so sagen? Ich bin immer für eine ganz klare Sprache, suche nicht stundenlang nach politisch korrekten Formulierungen.“

Dass sie eine Frau ist, stand ihrer Autorität als Boxtrainerin nie im Wege – ihr Migrationshintergrund hat ihr nach eigener Einschätzung aber sehr wohl einiges an Akzeptanz eingebracht, räumt Serna Caner ein: „Mit meiner tür-

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Engagement für Jugendliche gibt es auch in Ehrenfeld – auf 23 m2 mit Beats und Rhymes. Seite 66

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