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„Wie Sie sehen, sind wir immer noch da“ Wie Parthenopi Vaidou nach Ehrenfeld kam und warum sie blieb. Interview: Jessica Hoppe & Mareile Busse, Text: Jessica Hoppe & Prasanna Oommen, Foto: Tanja Steffen.

Ein Stück Heimat, ein Stück Sehnsucht – in Ehrenfeld November 2009. Die Geschäfte von Parthenopi Vaidou laufen gut. Besser sogar, seit sie von ihrem Mann getrennt ist. Die freundliche, lebensbejahende Schneiderin hat nette, treue Kunden, für die sie sogar einmal wöchentlich Kuchen backt. „Wenn ich aus dem Urlaub komme, fragen schon alle: Wo warst du, Frau Vaidou, wir warten auf dich!“ Parthenopi Vaidou fühlt sich wohl in Deutschland ... doch die Heimat vermisst sie noch immer. „Aber was soll ich machen – meine Kinder und ihre Familien sind hier.“ Zum Leben reicht die Schneiderei trotz der treuen Ehrenfelder Stammkundschaft nicht: Bevor sie den Laden mittags aufschließt, hat Parthenopi Vaidou bereits eine Frühschicht in der Putzkolonne der Kölner Uniklinik in Lindenthal hinter sich. In Ehrenfeld lebt sie zwar gerne – aber eigentlich eher zufällig. Die Zufalls-Wahl-Ehrenfelderin sieht das so: Hier fand sie Arbeit, spä-

ter ihr Ladenlokal und irgendwie auch ein Stück griechische Heimat. Die griechische Gemeinde in Ehrenfeld ist bis heute groß – es gibt viele griechische Imbisse und Restaurants. Häufig besucht Parthenopi Vaidou das Griechische Zentrum in der Ehrenfelder Liebigstraße, wo die Gemeinde Feste feiert, der griechische Fußballverein „Galanolefkos-Hellas“ zu Hause ist und die Mädchen griechischen Volkstanz lernen. Im Gegensatz zu anderen Nationalitäten seien die Griechen, sagt Parthenopi Vaidou, häufiger in ihre Heimat zurückgekehrt. Dementsprechend sind die Kontakte inzwischen dünner geworden. Doch sie kommt auch mit ihrer multinationalen Kundschaft – Italiener, Türken, Russen, viele Deutsche – gut aus. Private Beziehungen sind allerdings nicht entstanden. „Die Deutschen machen nicht so viele Kontakte. Aber die Menschen sind nicht alle gleich und das müssen sie auch nicht sein, hat schon meine Mutter gesagt. Für mich gibt es kein Problem!“ Und doch, bei aller Offenheit, stellt sie sich in Ehrenfeld

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trotzdem die eine Frage: „Warum lassen die Deutschen es zu, dass hier so eine große Moschee gebaut wird?“ Glück – im Kölner Alltag Zwei-, dreimal im Monat fährt Parthenopi Vaidou von Ehrenfeld nach Deutz in die griechisch-orthodoxe Kirche, auf die sie besonders stolz ist: „Wir haben dafür alle Sachen aus Griechenland geholt. Das ist jetzt die beste, größte, schönste in Deutschland. Kommen Sie mal gucken, am Besten zu Ostern.“ Bei schönem Wetter verschlägt es sie auch schon mal in die Altstadt, an den Rhein, um ein bisschen spazieren zu gehen. „Und ich gehe gern in die Kalk-Arkaden. Kaufe ein, trinke danach einen Kaffee und esse ein Brötchen, das ist schön.“

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