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Energy

TIERISCHE VORBILDER FÜR ERNEUERBARE ENERGIEN Schwalben, die jedes Jahr den Erdball umrunden, Schmetterlinge, die ihre Flügel als Solarkollektoren nutzen und Käfer, die chemische Energie in Licht umwandeln. Im Gegensatz zu unseren tierischen Erdmitbewohnern benötigen wir für diese unglaublichen Fähigkeiten schon etwas mehr Equipment. Außerdem sind unsere technischen Hilfsmittel wie Flugzeug, Sonnenkollektor oder elektrisches Licht noch ausbaufähig. Weshalb also nicht von den Tieren lernen und ein paar ihrer Besonderheiten für unsere Gerätschaften abgucken? Die Idee ist auch schon etwas älter. Bereits Leonardo da Vinci (*1452; †1519) hat sich die Flugbewegungen der Vögel angeschaut, um einen Flugapparat zu bauen. Der Versuch, die Biologie auf die Technik zu übertragen, bekam 1960 mit dem Begriff “Bionik“ auch endlich einen eigenen Namen. Der Sinn hinter dieser Wissenschaft ist schnell gefunden. Denn der Körperbau der Tiere differenzierte sich über einen langen Zeitraum hinweg immer mehr aus. Aufgrund dieser Evolution sind die Tiere hervorragend an die Umge-

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bung angepasst. Bevor unsere technischen Anlagen einen ebenso langen Evolutionsprozess durchmachen müssen, bietet es sich an, geeignete Mechanismen aus der Tierwelt auf unsere technisierte Welt zu übertragen. Bionik kann uns auf verschiedenen Gebieten bereichern. Da sich viele Tierarten auf verblüffende Weise mit Wind, Sonne oder Wasser arrangiert haben, lassen sich ihre Eigenschaften auch bei der Konstruktion von Erneuerbare-EnergienAnlagen abkupfern. Und hier kommt noch ein weiterer Vorteil hinzu: Weil der sorgsame Umgang mit Energie über ihr Leben entscheiden kann, sind die meisten Tiere sehr energieeffizient. Denn natürliche Abläufe wie Nahrungssuche oder die Anpassung an Wetterbedingungen sind für sie sehr aufwändig. Der so entstehende Energieverlust macht sie anfälliger für Feinde. Es geht also darum, mit möglichst wenig Energieeinsatz den größtmöglichen Nutzen zu erzielen. Ganz wie bei den regenerativen Energien. So manch gewollte Übereinstimmung von Tier und Kraftwerk ist recht offensichtlich: Von Fisch und Vogel wird gern der Körperbau als

Vorbild für technische Anlagen heran gezogen. Denn mit ihrer Form und Struktur sind die Tiere perfekt an die Verhältnisse im Wasser und in der Luft angepasst. Abstrakter ist es bei Vorgängen innerhalb des Organismus. So erforschen Wissenschaftler den Stoffwechsel und Blutkreislauf einzelner Arten, um anhand der daraus gewonnenen Erkenntnisse Energieanlagen zu optimieren. Interessant ist für Bioniker auch die Beschaffenheit von Fell, Haaren oder Panzern unterschiedlicher Tiere. Manche Insekten schützen sich beispielweise mit einer Wachsschicht vor Feuchtigkeit und Sandpartikeln. Statt Aluminium oder Glas könnte dieser natürliche Baustoff – nachgeahmt – auch auf Solarzellen Verwendung finden. Um welche erneuerbare Energie es sich auch handelt – die Möglichkeiten, aus dem Fundus der Natur zu schöpfen, sind endlos. Und die Tierwelt birgt noch genügend Geheimnisse, die es zu lüften gibt.  www.bionikzentrum.de  www.bionik-blog.de

© bigstock

JENNY LOHSE

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LIFESTYLE clean energy (2013-1)  

LIFESTYLE clean energy ist ein hochwertiges Magazin, das über die Megatrends “green lifestyle“ & “clean energy“ informiert. Mit einer abwech...

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