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NACHAHMUNGSWÜRDIGE VORBILDER Deutschlandweit gibt es inzwischen gut 40 Regionalwährungen. In Bremen und im Landkreis Osterholz und Umgebung startete als erstes modernes Regionalgeld im Jahr 2001 der Roland. Zunächst wurden Fünf-Roland-Gutscheine ausgegeben, inzwischen gibt es nur noch Scheckgutscheine, die elektronisch auf einem Mitgliedskonto verrechnet werden können. Durch eine Umlaufgebühr verliert der Bestand der Mitgliederkonten monatlichen ein Prozent seines Wertes. Das gilt im Übrigen auch für negative Bestände. Rund 120 Unternehmen haben den Roland als Zahlungsmittel anerkannt. Eingenommene Eurobeträge werden als zinslose finanzielle Hilfen zur Verfügung gestellt, beispielsweise zur Förderung des biologischen Anbaus und für Bioläden. Die bekannteste Regionalwährung ist wohl der Chiemgauer. Der größte regionale Komplementärwährungskomplex in Deutschland entstand 2003 auf Initiative eines Waldorf-Schülerprojekts. Die Alternativwährung wird eins zu eins gegen Euronoten eingetauscht. Für zwei Chiemgauer erhält man ein Brot, eine Zeitung oder ein Glas Marmelade, allerdings nur im Chiemgau, in den Landkreisen Rosenheim und

© Regios eG, Chiemgauer e.V.

Traunstein. Rund 600 Unternehmen akzeptieren ihn dort als Zahlungsmittel. Bleibt der Chiemgauer zu lange im Portemonnaie, so verliert er an Wert. Nach drei Monaten muss man für die roten, grünen, blauen oder lila Scheine eine Verlängerungsmarke kaufen. Damit will man verhindern, dass Geld angehäuft wird und so im Wirtschaftskreislauf fehlt. In der Region Halle/Leipzig gibt es seit April 2011 ein Netzwerk von Privatpersonen und Unternehmen, das die Verrechnungseinheit Lindentaler nutzt. Lindentaler werden ausschließlich über Konten geschöpft und überwiesen, es sind keine Gutscheine im Umlauf. Der Wert der Lindentaler orientiert sich an der Einheit Zeit: 20 Lindentaler entsprechen einer Stunde Lebenszeit. Jede Privatperson kann in dem Netzwerk monatlich ein bedingungsloses Grundeinkommen von 50 Lindentalern abrufen. Das sind nur einige Beispiele der oftmals in originellen Modellen konzipierten Regionalwährungen. SONNENSCHEINE FÜR SOLARANLAGEN Dass Regios mehr können als nur die Wirtschaft anzukurbeln, zeigt sich im Bereich erneuerbarer Energien. Vielerorts ist in den letzten Jahren eine enge Verbindung zwischen Errichtung und Betrieb von Solaranlagen und Regios entstanden. Für Photovoltaikanlagen sind Investitionen erforderlich, die gemeinschaftlich aus der Region

© Zschopautaler e.V

kommen können. So wurden Kredite aus Netzwerken der Regionalgelder gewährt. Mit sächsischen Zschopautalern wurden Solardächer gekauft und montiert. Die RegioStar eG investierte in eine Photovoltaikanlage auf dem Rottmayr-Gymnasium in Laufen, Bayern. Eine Bürgersolarstromanlage in Magdeburg wurde teilweise mit Regios bezahlt; die Einlagevergütung wird an einige Nutzer in Regionalwährung ausgezahlt. Um solche Vorhaben zu realisieren, müssen Hersteller, Planer und Montageunternehmen lediglich Akzeptanzpartner des Regiogeldes werden. So gibt es viele Möglichkeiten, mit Regionalgeld zum Wohlstand der Regionen beizutragen. Dadurch, dass das Geld vor Ort bleibt, bekommen auch wirtschaftlich rückständige Regionen die Chance, sich aus eigener Kraft aus Abhängigkeiten zu befreien. Die menschliche Arbeitskraft erhält wieder einen Wert, der auch für den einzelnen sichtbar ist. Die Regionalwährungen sorgen somit nicht nur für finanzielle Sicherheit und Stabilität, sondern auch für ein gesundes und sozial verträgliches Umfeld.  www.regiostar.com  www.lindentaler.org  www.urstromtaler.de  www.chiemgauer.info  www.zschopautaler.info  www.roland-regional.de

GREEN INVESTMENT

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LIFESTYLE clean energy (2013-1)  

LIFESTYLE clean energy ist ein hochwertiges Magazin, das über die Megatrends “green lifestyle“ & “clean energy“ informiert. Mit einer abwech...

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LIFESTYLE clean energy ist ein hochwertiges Magazin, das über die Megatrends “green lifestyle“ & “clean energy“ informiert. Mit einer abwech...

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