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Green Investment JOSEPHIN LEHNERT

Von Kirschblüten und Sterntalern © SPBer, Wikimedia Commons

In Deutschland sind neuerdings ganz offiziell zahlreiche Blüten im Umlauf: Regionalwährungen ergänzen als alternatives Zahlungsmittel vielerorts den Euro. In Bayern zahlt man mit dem Chiemgauer, in Nordhessen mit der Kirschblüte und in Sachsen-Anhalt mit dem UrstromTaler. Das steigert die regionale Wertschöpfung, stärkt und stabilisiert die Regionen und hebt den Lebensstandard. Wir schreiben das Jahr 1932. Die Weltwirtschaftskrise hat ihren Tiefpunkt erreicht. Firmenzusammenbrüche, Massenentlassungen und Kriminalität greifen um sich. So auch in Wörgl, einer kleinen Stadt in Tirol, Österreich. Hunderte werden hier aus den örtlichen Zement- und Zellulosefabriken entlassen. Die Wirtschaft kommt zum Erliegen. Der Gemeinde drohen beträchtlich Steuerausfälle. In dieser fatalen Situation greift man zu einem findigen Ausweg: Man gibt sogenanntes Notgeld aus. Die Arbeiter in Wörgl erhalten als Lohn kein Geld mehr, sondern Arbeitswertscheine, den sogenannten Wörgler Schilling. Dieses Freigeld sorgt dafür, dass der Geldkreislauf

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GREEN INVESTMENT

und die Wirtschaft wieder in Schwung kommen. “Das Wunder von Wörgl“ ist vielen noch lebhaft in Erinnerung. In Zeiten, in denen raffgierige Spekulanten den Markt hatten zusammenbrechen lassen, vollbrachten die Wörgler einen Geniestreich: Sie machten Geld wieder zu dem, was es einmal war: zu einem einfachen Tauschmittel. Das ließ die Wirtschaft gesunden. FAIRES ZAHLUNGSMITTEL Heute wird die Wörgler Idee wieder aufgegriffen. Allerorts sprießen Regionalwährungen aus dem Boden. Vor allem im ländlichen Raum kommen sie gut an. Denn Regios machen Geld wieder zu einem fairen Tauschmittel, einem realen Gegenwert für Waren, Dienstleistungen und menschliche Arbeitskraft. Wie der Name schon sagt, können die Regios nur in einer begrenzten Region ausgegeben werden. Das verhindert das Abfließen großer Geldmengen in globalisierte Handelsgeflechte. Die Kaufkraft bleibt in der Region. Das fördert den lokalen Wirtschaftskreislauf: Arbeits- und

Ausbildungsplätze entstehen, kleine und mittelständische Betriebe und Unternehmen bekommen wieder eine Chance, die Menschen kaufen wieder Produkte aus ihrer Region und nehmen Dienstleistungen ortsansässiger Handwerker in Anspruch. Diese wiederum tragen das Geld nicht in die Oberzentren, sondern geben es vor Ort aus. Viele identifizieren sich dadurch wieder stärker mit ihrer Heimat, das festigt auch soziale Strukturen. Auch die Umwelt wird entlastet, da lange Transportwege entfallen. Kurzum: Die gesamte Region profitiert. Das Prinzip der Regios ist simpel. Es bedarf lediglich einer Gemeinschaft von Nutzern mit gemeinsamen Interessen und einer Notenpresse im übertragenen Sinne, schon kann es losgehen. Die Regios sind keine Ersatzwährung für den Euro, sondern ergänzen ihn als Zweitzahlungsmittel. Als Komplementärwährungen sind sie entweder mit Euro hinterlegt oder basieren auf Zusagen von Unternehmen als Einlösegaranten einzustehen beziehungsweise sind Mischformen aus beidem.

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LIFESTYLE clean energy (2013-1)  

LIFESTYLE clean energy ist ein hochwertiges Magazin, das über die Megatrends “green lifestyle“ & “clean energy“ informiert. Mit einer abwech...

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