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Interview

VORSPRUNG DURCH GRÜNES RATING Rolf Häßler

Die oekom research AG mit Sitz in München zählt zu den weltweit führenden Ratingagenturen im Bereich des nachhaltigen Investments. Sie analysiert global die wichtigsten Unternehmen, Organisationen und Staaten hinsichtlich ihrer ökologischen und sozialen Performance und identifiziert auf diese Weise jene Emittenten von Aktien und Rentenpapieren, die sich durch ein verantwortungsvolles Wirtschaften gegenüber Gesellschaft und Umwelt auszeichnen. Im Gespräch mit LIFESTYLE clean energy gewährt Rolf Häßler, Leiter der Unternehmenskommunikation bei oekom research, einen Blick hinter die Kulissen des Nachhaltigkeitsratings und erklärt, warum es sich für Investoren lohnt, auf nachhaltig agierende Firmen zu setzen. Herr Häßler, wie muss man sich den von oekom research durchgeführten Analyseprozess eines Unternehmens oder eines ganzen Staates vorstellen? Woher bekommen Sie Ihre Informationen? Und wie gehen Sie bei der Bewertung vor?

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GREEN INVESTMENT

Das Vorgehen ist bei der Bewertung von Unternehmen und Staaten recht unterschiedlich. Bei den Unternehmen nutzen wir beispielsweise vor allem zwei Quellen: Zum einen Angaben der Unternehmen selbst, zum anderen Informationen aus unabhängigen Quellen, beispielsweise von Gewerkschaften, Menschenrechts- oder Umweltschutzorganisationen. Bei den Unternehmen hilft es uns, dass die Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte in den vergangenen Jahren sukzessive besser geworden sind. Zudem stellen uns die Unternehmen im Rahmen eines intensiven Dialogs mit unseren Analysten auch interne Dokumente zur Verfügung, etwa Umwelt-, Antikorruptions- oder Antidiskriminierungsleitlinien. Diese fließen ebenfalls in unser Rating ein, das bis zu 100 zum großen Teil branchenspezifische Einzelkriterien umfasst. Die unternehmensfremden Informationen erfüllen zweierlei Funktion: Zum einen dienen sie einem Plausibilitätscheck der von den Unternehmen zur Verfügung gestellten Informationen. Können also bei-

spielsweise die Angaben über die CO2-Emissionen oder die Recyclingfähigkeit bestimmter Produkte stimmen? Zum anderen ergänzen sie die Informationslage in Bereichen, über die die Unternehmen selbst nicht gerne berichten, etwa über Verstöße gegen Arbeits- und Menschenrechte im eigenen Betrieb oder bei den Zulieferern. Bei den Staaten nutzen wir dagegen ausschließlich externe Informationen, die beispielsweise von der Weltbank, von der Antikorruptionsinitiative Transparency International oder der Menschenrechtsorganisation amnesty international zur Verfügung gestellt werden. Beziehen Sie auch Unternehmen, die nachweislich kontroverse Geschäftspraktiken, wie Kinderarbeit, verfolgen oder mit umstrittenen Geschäftsfeldern, wie Atomkraft, Grüne Gentechnik oder Waffenproduktion, in Verbindung gebracht werden, in Ihre Untersuchungen mit ein oder fallen diese anhand bestimmter Ausschlusskriterien bereits von vornherein durchs Raster?

© oekom research

CORINNA LANG

Profile for CleanEnergy Project

LIFESTYLE clean energy (2013-1)  

LIFESTYLE clean energy ist ein hochwertiges Magazin, das über die Megatrends “green lifestyle“ & “clean energy“ informiert. Mit einer abwech...

LIFESTYLE clean energy (2013-1)  

LIFESTYLE clean energy ist ein hochwertiges Magazin, das über die Megatrends “green lifestyle“ & “clean energy“ informiert. Mit einer abwech...

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