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Biorama Nº. 26

Nationalparks

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Nationalpark Neusiedlersee – Seewinkel

Nationalpark Thayatal

Im April liegt tagsüber oft ein Klangteppich von Unkenrufen über den Feuchtwiesen. Das kann so gleichmäßig klingen, dass Erstbesucher irritiert nachfragen, woher das kommt. Höllisch laut kann es in der Nacht in Rufnähe von Möwenkolonien oder in einem von Fröschen bevölkerten Feuchtareal werden. Und dann natürlich das immer vielstimmiger werdende Konzert der aus dem Winterquartier zurückkehrenden Vogelarten: Im Schilf sind Drosselrohrsänger zu hören, an den Lacken tönen Rotschenkel und Uferschnepfen, in den Baumkronen ist es der Pirol. Besonders melodiös klingt es, wenn sich ab Anfang August die Bienenfresser zu Trupps formieren. An den seltenen windstillen Tagen im Hochsommer kann man an den Lacken den abtrocknenden Zickboden (ung.: Zick = Soda) riechen. Im Seewinkel wächst alles, was typisch ist für den pannonischen Raum. Das schmeckt man auch in der lokalen Küche. Hier gedeihen das erste heimische Freilandgemüse im Jahreslauf, das erste reife Obst und selten gewordene Spezereien wie Safran. Von den Weinen, Bränden und Säften gar nicht zu reden …

In den Wäldern des wilden Grenztales dringen Düfte nach Waldboden, Bärlauch, Pilzen und Holz-Moder in die Nase. Im Herbst entwickelt das welkende Laub einen betörenden Geruch. Frühaufsteher können sich an der taufrischen, wohlriechenden Morgenluft erfreuen. Auf den Blumenwiesen duften Diptam (Vanille und Zitrus) und Heckenrosen. Entlang der Thaya verbreitet der vorbeirauschende Fluss seinen typischen Geruch. In den Blumenwiesen summen Insekten, Heuschrecken und Grillen zirpen nach Herzenslust. Über die Trockenrasen streichen warme Luftströme. Im Thayatal zwitschert eine reiche Vogelwelt. Außerdem sind das charakteristische Klopfen der Spechte und die Rufe von Waldkauz, Uhu, Kolkraben und Kuckuck zu vernehmen. Im Wald rauschen die Blätter und knarren die alten knorrigen Buchen und Eichen im Wind. Allabendlich konzertieren die Frösche im Talgrund. Eine wahre Augenweide sind die Blütenteppiche der Frühblüher (Schneeglöckchen, Leberblümchen, Buschwindröschen, Schlüsselblumen …), die Pracht der Sommerwiesen und natürlich an den herbstlichen Farben der Mischwälder. Im Herbst und nach Gewittern ziehen romantische Nebel durch das Tal.

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BIORAMA #26  

Im Fadenkreuz: Jagd. Ist die Jagd in ihrer derzeitigen Form noch gesellschaftsfähig? Außerdem: All I Need – Neo-Ökologie im Alu-Mantel. B...

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