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Nationalpark Hohe Tauern

Nationalpark Kalkalpen

Von Anfang Juli bis Mitte August duftet das Bergheu auf den Bergwiesen und Almen. Typisch ist das Schreien (nicht Pfeifen!) der Murmeltiere, die von Juni bis Ende September gut zu beobachten sind. Ist der Warnschrei lang gezogen, droht potenzielle Gefahr aus der Luft. Eine Abfolge von mehreren Schreien warnt vor nahendem Ungemach am Boden. Im Hochgebirgsnationalpark finden sich 342 Gletscher. Ein Stück Gletschereis in der Hand zu halten ist eine besondere Erfahrung: Neben seiner eiskalten Ausstrahlung hält man einige »Jahrzehnte« Eisgeschichte in der Hand. In der Wärme des Sommers hört man die Gletscher auch »stöhnen« und knacken. Eine Vielfalt an Bergkräutern bereichern die lokale Küche und allerlei Heil-Produkte: Das alte Wissen der Bauern findet Anwendung in Form von Salben, Seifen und Tees. Viele Gasthöfe verwenden heimische Kräuter in ihren regionaltypischen Gerichten. Optisch geben majestätische Bergpanoramen schon im Tal den Ton an. Wer höher steigt erblickt Almen, wandert durch teils wilde Wälder und dringt dann vor in die Gebirgstundra, mit ihren Gletschern und bizarren Felslandschaften.

Ähnlich dem Flieder duften die Mondviolen von April bis Mai. In den Buchenwäldern riecht es im Frühling stark nach Bärlauch. Auf den Almen finden sich Düfte von Wildrosen (Hundsrose), Weißdorn und Thymian. Im Nationalpark Kalkalpen gedeihen ausgedehnte Buchenwälder, die im Herbst Millionen von wohlriechenden Blättern fallen lassen. Im Oktober und November kann man das fallende Buchenlaub auch deutlich hören. Die über 800 Quellen, darunter mächtige Karstquellen, bieten ein Klangspektrum vom Gurgeln und Gluckern bis zu tosendem Rauschen. In den Bergwäldern lässt der Wind die wiegenden Bäume ächzen. Auf sonnseitigen, trockenen Berghängen knackt die Borke der Lärchen in der Hitze. Im waldreichen Nationalpark Kalkalpen fällt viel stehendes und liegendes Totholz auf. Die Spechte – Buntspecht, Grünspecht, Schwarzspecht, Grauspecht und die selteneren Dreizehen- und Weißrückenspechte – wissen das zu schätzen. Alle produzieren ihre charakteristischen Sounds, wenn sie auf die Bäume einhämmern. Von Mitte September bis Anfang Oktober röhren in den Wäldern die brunftigen Hirsche – ein überaus archaisches Hörvergnügen.

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BIORAMA #26  

Im Fadenkreuz: Jagd. Ist die Jagd in ihrer derzeitigen Form noch gesellschaftsfähig? Außerdem: All I Need – Neo-Ökologie im Alu-Mantel. B...

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