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Biolandbau nicht leugnen. Dass in der Vermarktung der dabei entstandenen Produkte ein Bauernidyll von anno dazumals weichgezeichnet wird, ist zwar fragwürdig, aber auch bei konventioneller Ware üblich – und einer der Hauptangriffspunkte des investigativ arbeitenden Autors. Seine kompromisslose Kritik hat Arvays Arbeit glühende Befürworter wie Widersacher eingebracht. »Akribisch und kunstvoll seziert Clemens G. Arvay die industrielle Landwirtschaft, die in grüner Gestalt auftritt«, äußerte sich etwa Wilfried Huismann, dreifacher Grimme-Preisträger und Autors des »Schwarzbuch wwf«. Auch Karoline M. Jezik, die Leiterin der Abteilung Gartenbau an der Wiener Universität für Bodenkultur (boku) sieht wie Arvay »die eigentlichen Ansprüche der Bio-Landwirtschaft durch Konzerninteressen gefährdet«. Dennoch bleibt als Faktum: Ihren hoch entwickelten Bio-Markt verdanken die Österreicher zu einem nicht unbeträchtlichen Teil dem Umstand, dass die großen Handelsketten Bio als lukratives und ihrem Image zuträgliches Marktsegment entdeckt und sich ernsthaft engagiert haben. Dass jeder fünfte Bauer in Österreich heute biologisch wirtschaftet, wäre ohne die von Arvay angefeindete Bio-Industrie kaum denkbar. Gar nicht wenige kleine Biobauern und Produzenten sehen in Arvay dennoch einen Mitstreiter. Auch wenn keine seiner Enthüllungen wirklich neu ist: Seine Schil-

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derungen von Geflügelfarmen und die Reportagen aus Schlachthöfen wirken auch durchaus überzeugend. Mich haben sie dazu gebracht, im Supermarkt gar kein Geflügel und auch Schweine- oder Rindfleisch nur mehr in Ausnahmefällen zu kaufen. Und ich werde nicht der einzige sein. 14.000 Mal hat sich »Der große BioSchmäh« bislang verkauft. Die Fortsetzung »Friss oder stirb« hält bei bereits knapp 10.000 Exemplaren. Vieles, das Arvay anprangert, fordert dennoch zum Widerspruch heraus. »Seine Kritik an der Bio-Landwirtschaft fußt meist weniger auf Fakten als auf nicht erfüllten persönlichen Erwartungshaltungen. Was die Bio-Landwirtschaft leistet und garantiert, steht in der EU-Bio-Verordnung und nicht im sozialromantischen Klischeebilderbuch«, meint Reinhard Gessl vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Dennoch schaffe er es »mit seinem Krawalljournalismus punktgenau, jene Bereiche offenzulegen, die die Bio-Landwirtschaft medial gerne umschifft. Die Bio-Landwirtschaft arbeitet auch ohne Herrn Arvay an der Lösung der Schwachstellen.« Vielleicht versöhnlich gemeinter Nachsatz: »Womöglich beschleunigt die Offenlegung ein wenig die Umsetzung«. Arvay selbst, der vor seinem Biologiestudium eine Buchbinderlehre abgeschlossen hat, sieht sich in der Tradition des investigativen Journalismus und sieht in Aufdeckern und »Whistleblowern«

08.08.13 18:10

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BIORAMA #26  

Im Fadenkreuz: Jagd. Ist die Jagd in ihrer derzeitigen Form noch gesellschaftsfähig? Außerdem: All I Need – Neo-Ökologie im Alu-Mantel. B...

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