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Biorama Nº. 26

Junghahnmast

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Gelungene Symbiose: Junghahn und Jungbauer Das traurige Schicksal der männlichen Eintagsküken ist für aufgeklärte Konsumenten kein Geheimnis mehr. Ein experimentierfreudiger Biobauer in Finnland löst das Problem auf seine eigene Weise.

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in Kochrezept. Eine der Hauptzutaten: ein Hähnchen, küchenfertig. Hähnchen? Früher, zur Zeit unserer bäuerlichen Vorfahren, waren die Brathähnchen wirklich noch Hähne. Denn die Hennen blieben zur Vermehrung, also zum Legen und Bebrüten von Eiern, auf dem Hof. Die überzähligen Hähne wanderten gut ausgemästet in den Kochtopf oder auf den Bratspieß. Die vielfältigen Hühnerrassen von damals legten Eier und setzten Fleisch an. Das änderte sich in den Anfängen des 19. Jahrhunderts mit der Trennung von Lege- und Mastrassen. Von nun an wurden Legerassen auf Legeleistung und Mastrassen auf schnellen und starken Fleischansatz gezüchtet. Bis heute gilt: Je mehr Eier ein Huhn der Legerassen legt, desto weniger Fleisch setzt es an. Nun aber legt eine Henne Eier, und aus diesen schlüpfen zu gleichen Teilen weibliche und männliche Küken. Was tun also mit den männlichen, die später weder für Eier noch für den Kochtopf interessant und daher aus menschlichem Blickwinkel keine Nutztiere mehr sind? Der Mensch entschied sich dafür, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen – das männliche Eintagsküken war geboren. Egal ob biologische oder konventionelle Legehuhnhaltung, die männlichen Küken wurden und werden an ihrem ersten Lebenstag getötet – heute etwa jährlich 335 Millionen Tiere allein in Europa.

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Im Zeichen des Hahns Seit mehreren Jahren schon möchten Biobauern und Tierschützer das Töten stoppen. Drei Wege sind denkbar und werden bereits beschritten. Projekte zum Zuchtversuch von Hühnerrassen, die sowohl Eier als auch Fleisch produzieren, gibt es heute wieder vereinzelt in Österreich, der Schweiz und Deutschland. Die vorsorgliche Geschlechterbestimmung der Hühner im Ei ist ein zweiter Lösungsansatz, der allerdings noch im Forschungsstadium steckt. Beispiele für die dritte Alternative, die Aufzucht männlicher Legehühner – entweder, indem die teureren Eier der Hennen das Überleben der Hähne subventionieren oder, indem neben der Eierproduktion auch Junghahnmast betrieben wird – sind die Bruderhahn Initiative Deutschland oder Toni Hubmanns Initiative Henne & Hahn. Vor rund einem Jahr ist in Finnland noch ein Projekt dazugekommen: Philipp Mayer, ein dorthin ausgewanderter junger Österreicher, hat sich ebenfalls der Junghahnmast verschrieben. Die Idee der Zucht von Zweinutzungsrassen findet der studierte Agrarier allerdings am spannendsten: »Eine Zweinutzungsrasse wäre im Einklang mit der Idee des Biolandbaus, in dem das Tierwohl und nicht die Leistung der Tiere im Vordergrund steht.« Die Struktur des landwirtschaftlichen Betriebes der Schwiegereltern in Finnland, seine Erfahrungen

09.08.13 12:55

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BIORAMA #26  

Im Fadenkreuz: Jagd. Ist die Jagd in ihrer derzeitigen Form noch gesellschaftsfähig? Außerdem: All I Need – Neo-Ökologie im Alu-Mantel. B...

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