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»Willkommen Wolf« In der relativen Ruhe des Truppenübungsplatzes Oberlausitz wurden vor 13 Jahren zum ersten Mal seit ihrer Ausrottung wieder freilebende Wölfe in Deutschland geboren. Der Naturschutzbund (nabu) begann früh, die Rückkehr der Wölfe zu begleiten. Seit drei Jahren geschieht das nun im Rahmen der Initiative »Willkommen Wolf«. Zwischen 1945 und den späten 1990ern versuchten Wölfe immer wieder, in Deutschland sesshaft zu werden. Sie alle fielen Abschüssen oder dem Verkehr zum Opfer. Willkommen Wolf begann daher mit Sendehalsbändern, Fotofallen und Spurensuchern die Möglichkeiten eines Zusammenlebens von Mensch und Wolf systematisch zu erforschen. Bald stellte sich heraus, dass der Wolf durch seine Anpassungsfähigkeit sehr gut in Nachbarschaft zum Menschen leben kann, so fern ihm geeignete Rückzugsräume zur Verfügung stehen. In den Schweizer Alpen konnte sich der Wolf in den letzten Jahren deutlich schlechter als in den italienischen oder französischen Alpen festsetzen. Sein Vorkommen wird derzeit auf nicht viel mehr als 20 Einzelgänger geschätzt. Erst 2012 scheiterte die Schweiz in Straßburg mit dem Versuch, die Berner Konvention zum Schutz der Wölfe zu lockern. Die Boulevardzeitung »Blick« berichtet regelmäßig von Wölfen, die Walliser Dörfer terrorisieren. Zahlreiche Initiativen durch wwf, Pro Natura, CHWolf oder die Gruppe Wolf Schweiz konnten diese Widerstände bislang nicht überwinden. In Österreich gibt es heute ebenfalls einige Initiativen, die sich mit dem Wolf beschäftigen. Von einem Weg zum einheitlichen Management, wie ihn Willkommen Wolf eingeschlagen hat, ist man aber noch weit entfernt. Das Wolf Science Center (wsc) im niederösterreichischen Ernstbrunn erforscht Gemeinsamkeiten zwischen domestizierten Wölfen und Hunden. Die Rolle des deutschen nabu als Naturschutzorganisation beim Erarbeiten von Leitfäden zum Wolfmanagement übernimmt in Österreich hauptsächlich der wwf. Seit 1997 geschieht das in der länderübergreifenden Koordinierungsstelle für den Braunbären, Luchs und Wolf (kost). Außer dem wwf sind in diesem Gremium Vertreter des Umweltministeriums, der Landwirtschaftskammer, der Jagdrechts- und Naturschutzabteilungen der Länder, der Zentralstelle der Landesjagdverbände, der Land- und Forstbetriebe Österreich, sowie die Bärenanwälte bzw. Wolfsbeauftragten der Länder beteiligt. Dass es noch kein wirklich einheitliches Management gibt, liegt wohl auch daran, dass weder Bär noch Wolf bislang wirklich Fuß in Österreich gefasst haben. Sobald sich die ersten Rudel dauerhaft in Revieren einleben, wird sich herausstellen, ob die Interessenkonflikte überwiegen oder ob sich auch in Österreich Initiativen wie Willkommen Wolf organisieren und sich den Rückkehren annehmen, um sie vor ihrem eigenen Mythos in Schutz zu nehmen.

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09.08.13 12:53

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BIORAMA #26  

Im Fadenkreuz: Jagd. Ist die Jagd in ihrer derzeitigen Form noch gesellschaftsfähig? Außerdem: All I Need – Neo-Ökologie im Alu-Mantel. B...

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