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Interview

Mara Simperler

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Privat

Tierschutz hat heute einen ganz anderen Stellenwert als vor 50 Jahren, und da haben die traditionellen, konservativen Jäger den Anschluss verpasst.   Elisabeth Emmert (Ökologischer Jagdverband Deutschland)

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zu reduzieren, dass die im Wald vorhandenen Pflanzenarten alle wachsen können. Das Verhältnis von Wald und Wild passt einfach nicht mehr. Ist auch die Jagd Ursache für manche Probleme? Natürlich, nach wie vor werden jagende Tierarten als Konkurrenten gesehen. Für den Wolf und den Luchs sind illegale Abschüsse ein großes Hemmnis, sich weiter auszubreiten. Auf welche Probleme stoßen Sie in den Reihen traditioneller oder konservativer Jäger? Wenn die Kritik aus den eigenen Reihen kommt, wirkt das mehr. Man kennt sich ja untereinander und damit haben die Jäger natürlich ein Problem. Sie müssen die eigenen Positionen hinterfragen und oft haben sie keine sachlichen Argumente, sondern verschanzen sich hinter Pauschalbeschuldigungen. Das Verhältnis zu Tieren in der Gesellschaft ist ein anderes als noch vor 50 Jahren. Tierschutz hat einen ganz anderen Stellenwert und da haben die traditionellen, konservativen Jäger den Anschluss verpasst. Haben Sie das Gefühl, dass ein Umdenken passiert? Es ändert sich. Aber auch in der Vergangenheit haben sich das Denken und die Jäger nur auf Druck von außen geändert. Wichtig ist, dass von den Grundeigentümern,

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die ja eigentlich die Inhaber des Jagdrechts sind, Druck auf die Jäger ausgeübt wird. Oder dass man die Jäger, die es anders machen wollen, unterstützt. Finden Sie, dass das Image des Jägers oft zu Unrecht schlecht ist? Zu Unrecht nicht. Die Fakten sind ja kritikwürdig. Viele Jäger glauben, das öffentliche Bild von Jagd muss besser werden. Wir sagen aber, dass die Jagd sich ändern muss. Darf Jagen Spaß machen? Jeder Jäger hat einen emotionalen Zugang zur Jagd. Man muss es gerne machen, aber man darf das nicht mit der Lust am Töten verwechseln. Einem Metzger unterstellt man ja auch nicht, dass er Lust am Töten hat. Erfolg soll aber nicht nur sein, einen dicken Hirsch zu schießen, sondern dass der Wald gut wachsen kann. Ich freue mich, wenn Tannen und Eichen ohne Schutzzaun aufwachsen können. Oder wenn ich einen guten Braten habe, dann ist die sinnvolle Verwertung des Wildes gewährleistet.

www.oejv.de

08.08.13 18:44

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BIORAMA #26  

Im Fadenkreuz: Jagd. Ist die Jagd in ihrer derzeitigen Form noch gesellschaftsfähig? Außerdem: All I Need – Neo-Ökologie im Alu-Mantel. B...

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