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Biorama Nº. 26

Ökologische Jagd

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»Erfolg ist nicht, einen dicken Hirsch zu schieSSen« Elisabeth Emmert ist seit 1992 Bundesvorsitzende des Ökologischen Jagdverbandes in Deutschland. Sie erklärt, was Jagd mit Naturschutz zu tun hat und warum das Image von Jägern manchmal zu Recht schlecht ist.

biorama: Haben Sie selbst Jagdtrophäen? elisabeth emmert: Wir sind nicht der Meinung, dass man Trophäen wegwerfen muss. Wir haben aber das Problem, dass das Streben nach Trophäen zu überhöhten, unangepassten Wildbeständen führt. Ich habe schon ein paar Sachen aufgehoben als Erinnerung, aber es soll nicht im Mittelpunkt stehen. Was hat Jagd mit Naturschutz zu tun? Wir wollen so jagen, dass man Naturschutzbelange nicht gefährdet, sondern sie fördert. Im Wald kann man das so machen, dass natürliche Waldentwicklung gewährleistet ist. Auch in Österreich sind die Schalwildbestände wie Reh, Hirsch und Gams viel zu hoch und es müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden, damit Baumarten und andere Teile der Vegetation überhaupt wachsen können. Das ist für uns angewandter Naturschutz – großflächig dafür zu sorgen, dass die natürliche Waldentwicklung gewährleistet ist. Die Natur selbst kann das also nicht mehr regeln? Ja, weil es keine natürlichen Feinde gibt und weil das Wild massiv gehegt und gefüttert wird. Wenn man nicht füttert, verhungern die Tiere nicht reihenweise, sondern die Reproduktion geht zurück und die Wildbestände sind niedrig. Es ist Unsinn, ein Wild, das bei uns sowieso

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in rauhen Mengen vorhanden ist, auch noch zu füttern. Einen Fuchs oder einen Beutegreifer füttert niemand. Was steckt dahinter? Die Jäger wollen viel Wild haben und Füttern ist ein Lenkungsinstrument. Ich kann das Wild in meinem Revier halten. Manche glauben vielleicht wirklich, dass sie was Gutes tun. Das Argument, dass Fütterung zu weniger Wildschäden im Wald führt, stimmt aber nicht. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Was unterscheidet ökologische Jagd von traditioneller Jagd? Wir wollen so jagen, dass wir die gesamten Lebensräume im Fokus haben und nicht nur wenige Arten, die als jagdlich interessant gelten. Das Ökosystem, der Lebens- und Wirtschaftsraum Wald soll als Gesamtes betrachtet werden. Kann Tiere töten jemals ökologisch sein? Grundsätzlich werden in der Natur Tiere von anderen Tieren getötet. Wenn man den Mensch als Teil des Ökosystems sieht, ist er dazu berechtigt, Tiere zu nutzen. Das heißt aber auch, dass die geschossenen Tiere sinnvoll genutzt werden sollen. Wobei der Mensch natürlich, weil er ethisch verantwortlich ist, sich von Tieren abhebt. Es ist auch ökologisch sinnvoll, Wildbestände so

08.08.13 18:44

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BIORAMA #26  

Im Fadenkreuz: Jagd. Ist die Jagd in ihrer derzeitigen Form noch gesellschaftsfähig? Außerdem: All I Need – Neo-Ökologie im Alu-Mantel. B...

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