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Der Business-Jäger Wie Tennis oder Golf ist auch die Jagd ein Rahmen zur Geschäftsanbahnung. Warum sonst wird ein Hobby (abseits von Hollywood) öffentlich bekannt? Etwa von Christian Konrad oder Graf Mensdorff-Pouilly? Honecker zeigte es in der Schorfheide bei Berlin vor. Voraussetzung ist idealerweise ein Jagdschein. Die Jagdeinladung war lange Garant für gute Geschäfte oder genehme Gesetze. Heute heißt das Anfüttern. Eingeladen wird auf einen kapitalen Bock, einen Hirsch oder einen Auer- oder Birkhahn (beide selten geworden) – es sollen ja auch keine Kaugummis verkauft werden. Auf dem Hochstand wird jedenfalls nicht gequatscht, denn ansitzen können maximal zwei: der Gast und der Pirschführer. Wenn die Abschüsse anschließend in der Jagdhütte tot getrunken werden, ist Zeit und Raum fürs Geschäft.

Der Heger Dem Heger gilt Weidmanns Dank. Der betagte Jäger kaschiert die senile Bettflucht mit morgendlichem Nach-dem-Rechten-Sehen im Wald. Uneigennützig wartet er die Reviereinrichtungen (Hochstand, Zäune, Krippen), füttert Rehe im kalten Winter, befreit die Pirschsteige von raschelndem Laub, schlägt Schneisen und markiert die Walddurchgänge mit Bändern. Die Jagdausübung ist zudem eine perfekte Ausrede, um sich vor Familienfesten, Kindererziehung und Schwiegermutter-Besuchen zu drücken. Wer das Jagd-Brauchtum intensiv pflegt, hat Lederhose und Hut genau so oft und gern an, wie den Pyjama. Auf den feinen Jäger kann man sich verlassen: Er kann bestimmt das eine oder andere Jagdlied anstimmen und die »Hohe Jagd« in Salzburg ist der erste Eintrag in seinem Messe-Kalender. Immer treu an seiner Seite Wastl, Hirschmann oder Fang. Der unangenehme Subtyp ist der Besserwisser. Er ist oft sehr erfahren, überlegt sich aber nicht, ob es anders besser gehen könnte.

Der Ausstattungsfetischist Der Ausstattungsfetischist findet, dass ihm Grün besonders gut steht. Er wartet sehnsüchtig auf das Erscheinen des aktuellen Kettner-Katalogs. Knallorange Accessoires nimmt er in Kauf. Schließlich dienen Warnweste, Armbinde oder Stirnband in Signalfarbe der eigenen Sicherheit, um von Kollegen nicht mit Baum, Strauch oder Wildschwein verwechselt zu werden. Die Distinktion liegt im Detail: Porsche Cayenne, Mercedes G oder Mitsubishi Pajero sind alles mehr oder weniger Jagdautos. Aber ein Suzuki tut es auch. Auch bei Flinten und Büchsen kann man sich von der Masse abheben. Kugelgewehre von Steyr-Mannlicher, Blaser, Ferlacher oder Suhler. Holland & Holland ist bei den Flinten die Oberliga. Überschüssiges Geld wird beim Jagdsport in der Dreifaltigkeit von Revier, Optik und Waffe ausgegeben. Außerdem besteht die Möglichkeit, über Vermittler für Abschüsse zu zahlen – etwa für ein 500-GrammRehbock-Geweih in Ungarn oder einen kapitalen Hirsch in Polen.

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BIORAMA #26  

Im Fadenkreuz: Jagd. Ist die Jagd in ihrer derzeitigen Form noch gesellschaftsfähig? Außerdem: All I Need – Neo-Ökologie im Alu-Mantel. B...

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Im Fadenkreuz: Jagd. Ist die Jagd in ihrer derzeitigen Form noch gesellschaftsfähig? Außerdem: All I Need – Neo-Ökologie im Alu-Mantel. B...

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